User Experience Design – ein duales Studium bei der BMW Group

Das Wichtigste in Kürze

  1. Duales Studium bei der BMW Group

  2. UXD - das Anwendererlebnis an der Schnittstelle Mensch-Maschine planen

  3. Das Studium an der technischen Hochschule Ingolstadt THI

  4. Vom Online-Test über die Arbeitsprobe zum Interview - Recruiting-Verfahren bei der BMW Group

Der Autobauer BMW bietet allein in München 120 Studienplätze in vierzehn dualen Studiengängen, bei denen der Konzern mit mehreren Hochschulen kooperiert. „Unsere Plätze für ein duales Studium 2024 bei der BMW Group sind ab sofort online“, sagt Christian Wand, Talent Manager Recruiting Germany bei der BMW Group: „Und wir besetzen unsere Stellen laufend, sobald wir einen geeigneten Bewerber gefunden haben.“ Soll nach dem Windhundprinzip heißen „…wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Und wir warten nicht, sondern sichern uns gute Bewerber für 2024 jetzt und heute.

Inhaltlich geht es in dem dualen Studienangebot der BMW Group um Kompetenzfelder der Zukunft. Wie etwa in User Experience Designauf Deutsch: Das Anwender-Erlebnis planen. „Wenn ich das in einem kurzen Satz zusammenfasse, es ist die Gestaltung der Schnittstelle einer Mensch-Maschine-Interaktion“, sagt Prof. Ingrid Stahl, Professorin an der Technischen Hochschule Ingolstadt. Mit „Maschine“ ist aber keine ‚große Maschine‘ aus der Produktion gemeint, sondern es geht ganz allgemein - zum Beispiel auch um die Schnittstelle zur Software.“ UXD ist das Bindeglied zwischen Produktentwicklung, IT, Design, Ergonomie und Marketing: User ist der Benutzer. Und Experience steht für das Erlebnis, das der Anwender zum Beispiel in einem BMW iX, dem Elektro-Flaggschiff der Münchner Autobauer, im Cockpit hat. Während Unfallforscher die Rückkehr zu Schaltern und Tastern fordern, bewegen sich die Autohersteller mit ihren Designstudien in die entgegengesetzte Richtung. Auf der CES in Las Vegas zeigte BMW mit dem „iVision DEE“ ein Head-up-Display, das über die gesamte Breite der Windschutzscheibe reicht. Es soll im Jahr 2025 in Serie gehen. „Displays müssen (…) in die Architektur des Fahrzeugs integriert werden und sollten sich zurückziehen können, wenn die Person am Steuer eine Unterhaltung führen oder eigene Geräte nutzen will“, sagt David Cleaves, Head of Creative bei argodesign München, der zuvor bei BMW Design Works die Abteilung Advanced User Experience Design geleitet hatte, dem Magazin Automobil Industrie.

In Zeiten der Digitalisierung und des autonomen Fahrens zählt nicht mehr nur die Leistung und der Preis eines Produkts, sondern vielmehr das Erlebnis. Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist also, wie sich die Eigenschaften eines Produkts mit den Bedürfnissen der User decken. User Experience Design sogt dafür, dass die Nutzung eines Produkts, wie dem BMW iX, insbesondere von Software und IT-Systemen, für User möglichst angenehm gestaltet ist. Es geht nicht nur um das visuelle Design, sondern insbesondere um die Informationsarchitektur, die dahinter steckt.

“Es werden keine Autos mehr für den deutschen Markt entwickelt”, betont Professor Lutz Fügener, Leiter des interdisziplinären B.A. Design und Mobilität: “Das Luxussegment boomt in China - aber zwischen Luxus und Kleinwagen ist heute nichts mehr.” Die wachsende digitale Intelligenz moderner E-Autos - etwa im Cockpit - gehört zu den Megatrends in China. Doch Autokäufer sind in China mehrere Jahre jünger, als in Europa - aufgewachsen mit ihrem Handy. Technischen Neuerungen, wie im UXD, stehen sie in jeder Hinsicht aufgeschlossen gegenüber. Etwa der Vernetzung mit Virtual Reality beim ET5 des chinesischen Herstellers Nio: Dem Fahrer werden über seine AR-Brille Infos eingeblendet, ohne dass er auf das Display oder ein Armaturenbrett blicken muss. Ein neues Display zum Schutz vor Autodiebstahl hat Continental entwickelt - die Authentifizierung erfolgt über eine Kamera. Und Valeo hat mit Hilfe von Sensorik ein Cockpit auf den Markt gebracht, das z.B. mit Gestik gesteuert werden kann und einen Funktionswechsel vom manuellen zum automatisierten Fahren anbietet.

Das 7-semestrige, deutschsprachige technische Studium an der Technischen Hochschule Ingolstadt, wo ich mich bis 15.07.23 auch direkt für 2023 bewerben kann, beinhaltet 40% Informatik, 25% Design, 20% Marketing-Projekte und Psychologie sowie 15% Usability, also benutzerfreundliche Konzeption. Es ist sehr interdisziplinär aufgebaut, kann daher aber auch nicht in allen Bereichen in die Tiefe gehen.         

Bei der Usability, der guten Bedienbarkeit der Technik, steht der User als Anwender im Mittelpunkt, um den sich alles dreht. „Wir gestalten und programmieren für ganz spezielle Zielgruppen“, sagt Prof. Ingrid Stahl: „Gutes Design soll Emotionen beim Käufer ansprechen. Aber die Programmierung ist genauso wichtig.“ Prof. Stahl lacht: „Ein Produkt, das gut aussieht, aber technisch nicht perfekt ist, lässt sich nicht verkaufen – und umgekehrt. Usability, Design und Technik sind die drei Bereiche, die sich überschneiden, aber auf jeden Fall gleich wichtig sind und auf die es ankommt.  

Automotive, Aviation, Gaming, Mobile, Robotics, HealthCare, Websites oder andere Industrial-Goods – in sämtlichen Bereichen unseres Lebens gibt es Schnittstellen zur Technik: Bei der Ideenfindung oder der Prototypenentwicklung arbeiten die Studierenden beim Brainstorming im UXD-Labor im Team am Projekt. Für Erfolg im Beruf ist es nötig, gerne auf Menschen zuzugehen. Etwa, wenn bei einer Benutzerstudie zur Usability die Zielgruppe eingeladen wird. Mit Hilfe von Eye Tracking können die Blickdaten Aufschluss darüber geben, ob die Usability verstanden wurde. Spezielle Muster von Blickbewegungen zeigen, wenn Probleme mit der Technik auftreten. Wichtig ist es auch, dass ich gerne an neuen Technologien arbeite und Leidenschaft für Design mitbringe. Ein breites Interessenfeld, Offenheit für Neues und Spaß am interdisziplinären Arbeiten spielen eine große Rolle. Die Good News: UX-Designer sind gesuchte Absolventen bei nur wenigen UXD-Studiengängen in Deutschland und einem breit aufgestellten Arbeitsmarkt. „Es hilft, ein gewisses Faible für Mathe und IT mitzubringen“, findet Prof. Stahl: „Aber auch ohne IT-Vorkenntnisse sind die Anforderungen bei Interesse zu schaffen.“ Java (2. Semester), JavaScript und HTML (3. Semester) sowie C++ (4. Semester) sind als Programmiersprachen Inhalte des Studiums.

Los geht’s am 01. Oktober mit 50 – 60 Erstsemestern, zur Hälfte Jungen, bei zuletzt gut 300 Bewerbern an der TH Ingolstadt bei einem NC zwischen 2,4 und 3,3. Oft sind auch einige ausgelernte Mediengestalter Digital und Print ohne Abitur unter den Studierenden. Die BMW Group bietet ein duales Studium in UXD an der TH Ingolstadt und im Unternehmen: „Im technischen Bereich, wie etwa in UXD, kommen etwa fünf Bewerber auf einen dualen Studienplatz bei BMW“, sagt Christian Wand vom Recruiting: „Im kaufmännischen Bereich haben wir dagegen sehr viel mehr Bewerber – 1: 100.“ Weitere duale Partner der THI in UXD ist u.a. die AUDI AG.

Nach der Übermittlung der Bewerbungsunterlagen an BMW (Lebenslauf und Zeugnisse ohne Anschreiben) und einem ersten kognitiven Online-Test der Firma ELIGO (s. unten) findet bei der BMW Group eine Vorauswahl statt. Bewerber, die in die engere Wahl kommen, werden zu einem Auswahltag eingeladen, der 2-3 Stunden dauert. Los geht’s mit einem weiteren kognitiven Leistungstest von ELIGO, der in fünfzig Minuten zahlreiche Aufgaben zum technischen Verständnis, sprachliche und rechnerische Aufgaben (z.B. Dreisatz) oder Multiple Choice Aufgaben zum logischen Denken beinhaltet. Es folgt – je nach Berufsgruppe – eine 25-minütige Arbeitsprobe, die innerhalb von 5 Minuten zu präsentieren ist: Beispiel Elektrotechnik: Schaltkreis, Beispiel IT: Programmieraufgabe, Beispiel Maschinen- und Fahrzeugtechnik: Modellfahrzeug zusammenbauen, Beispiel Wirtschaftswissenschaften: Planen und organisieren. Worauf kommt es an? Auf Fachaffinität und Selbstmanagement. Den Abschluss bildet ein 30-minütiges Interview: Vorher Infos über Unternehmen einholen, Dresscode beachten, Ansprechpartner beim Namen nennen, auf das Thema „meine Stärken und Schwächen“ vorbereiten, meine Begabungen und Talente und wie ich die im Beruf einsetzen kann, auf das Thema TaLEnt vorbereiten, „wer bin ich und was mache ich“ – authentisch und ehrlich sein, jede Info nur einmal nennen, „Warum BMW?“, „Warum sollten wir uns für dich entscheiden?“

Im 1. Semester folgt an der Technischen Hochschule Ingolstadt eine Einteilung in 2er, 3er und 4er-Gruppen. An einem Projekt, wie z.B. für Schlaganfall-Patienten in der Reha, arbeiten immer 10-12 Studierende. Viele Projekte werden im UXD-Labor an der Hochschule durchgeführt, das beispielsweise mit einem 3D-Drucker, einer Flug-Drohne, diversen Kameras, einer 360-Grad-Kamera von Ricoh, einem gNautilus EEG-Headset, verschiedenen Eye-Tracker und Facial Expression Recognition zur Analyse von Augenbewegungen („Eye-Tracking“) und emotionaler Gesichtszüge, mehreren VR-Brillen oder einem Fahrsimulator ausgestattet ist. Die Technische Hochschule am AUDI-Standort Ingolstadt gehört wegen ihrer engen Vernetzung mit der Industrie zu den eher wohlhabenden und “reichen” Bildungseinrichtungen in Deutschland.

Nach dem Praktikum im 5. Semester bleiben viele als Werkstudent in „ihrem“ Unternehmen und schreiben dort die Bachelor-Arbeit. Der Verdienst ist in der Industrie, wie etwa bei BMW Design Works, höher, als in einer Design-Agentur. Prof. Stahl, die aus dem Interface-Design kommt, unterrichtet gestalterische Fächer, wie Typografie oder Farbe. Sie vermittelt Methoden, um zu einem für die Zielgruppe adäquaten Design zu kommen, etwa mit Hilfe eines Moodboard. Es geht aber nicht um Kunst. Cora Unger, duale Studierende der BMW Group ist Studienbotschafterin für ihren B.Sc.-Studiengang UXD: “Die Schulungen in Software-Entwicklung und Programmierung fangen an der THI bei null an. Ich habe ein MacBook und ein iPad - der Laptop ist wichtig zum Programmieren, weil das mit einem Tablet nicht geht.” Welche Aufgaben übernehmen sie in der vorlesungsfreien Zeit bei BMW? “BMW ist dabei, seine gesamte Produktion zu digitalisieren. UX-Designer arbeiten bei BMW in vielen Produktionsabteilungen. Meine Arbeit im Car Interface Design hat das Ziel, dass die Bedienoberfläche den Nutzer besonders anspricht.” Das Unternehmen bietet Azubis oder dualen Studierenden, die von zuhause nicht pendeln können, auch BMW Apartments - drei Apartmenthäuser in der Hanauer Str. 50, der TAunusstr. 35 und am Walter Sedlmayr-Platz 6 sind für diese Zielgruppe reserviert: apartment-muenchen@bmw.de     

User Experience Design im Cockpit eines BMW iX - der Autobauer bietet ein duales Studium in dieser Disziplin an

User Experience Design im Cockpit eines BMW iX - der Autobauer bietet ein duales Studium in dieser Disziplin an Foto: Uwe Kästner

 

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