Hollywood made in Germany – ein neuer B.A. in Visual Effects

VFX Visual Effects studieren - das Wichtigste in Kürze

  1. Ein neuer Bachelor-Studiengang in VFX an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf

  2. Interaktives Projekt ‘Helheim’ an der Filmuniversität Babelsberg

  3. Stage Craft als neue Technologie in einem Studio mit LED-Screens

  4. VFX-Studios in München: TRIXTER; RISE und Scanline VFX als Produzenten für Marvel Studios

  5. Bildgestaltung mit Schwerpunkt VFX an der Hochschule für Fernsehen und Film HFF in München

  6. Digital Film Design Animation/ VFX an der Münchner mdh Media Design Hochschule

Vom 01.01.24 bis 31.01.24 kannst du dich mit deinen Arbeitsproben und einem Nachweis über 12 Wochen berufspraktische Erfahrungen für den neuen B.A. in Visual Effects & Virtual Productions an der Filmuniversität Babelsberg im Süden Berlins bewerben: Der neue Bachelor erweitert mit seiner 2D- und 3D-Bildbearbeitung die klassische Kameraarbeit um digitale Welten. Von der futuristischen Sci-Fi Stadt über die Fantasywelt bis hin zu historischen Stätten längst vergangener Zeiten, wie etwa die mythologische Totenwelt “Helheim”: Digitale Film-Sets fangen dort an, wo normaler, klassischer Set-Bau aufhören muss - und erweitern den Blick in fremde, fiktive Filmwelten ganz entscheidend. Denn zunehmend werden nicht nur jene Kulissen digital erschaffen, die real nicht gedreht werden können (“Rom brennt”). Längst sind computergenerierte Environments zum wichtigen Werkzeug auch alltäglicher Filmwelten geworden. Sie lassen sich, wie in der Serie „Babylon Berlin“, bis in das kleinste Detail nach Wunsch modellieren. Und bleiben bis weit in die Postproduktion hinein sogar modifizierbar. Sie können eine reale Szene ergänzen oder auch komplett ersetzen. Kaum ein Film, egal welchen Genres, kommt heute gänzlich ohne digitale Environments aus. Ein 360 Grad Rundgang zeigt den Campus als Video.

In dem gemeinsamen Gruppenprojekt "Helheim" von Studierenden aus Animation, Cinematography, Schauspiel und Szenografie der Filmuniversität Babelsberg geht es um den Hauptdarsteller „Talis“, der Helheim betritt. In wilden Actionszenen versucht „Talis“, das Reich, in dem es dunkel und kalt ist und aus dem es keine Wiederkehr gibt, dennoch zu verlassen. Die Arbeiten an dem kurzen Film sind viel zeitaufwändiger, als die meisten glauben: Allein ein voller Tag wird für das Ausleuchten mit über sechzig LED-Scheinwerfern in Studio 1 der Filmuni benötigt. Die werden mit einem White-Diffusion-Filter aus Pergamentpapier manuell überzogen, um weiches Licht zu erzeugen. „Der Neigungswinkel der Kamera ist entscheidend - man darf am Ende nur die Schauspieler vor dem Greenscreen sehen, aber keine Schatten“, sagt Professor Alexander Pohl, der das Projekt „Helheim“ leitet. In seinem Studio Lumatic Animations & VFX GmbH an der Berliner Sonnenallee produzierte er nach "Die Schule der magischen Tiere" gerade das Character Design und die Sets für den Kinofilm "Firedrake the Silver Dragon", das heißt, er kommt mitten aus der Praxis.  Seine Studierenden arbeiten mit dem Belichtungsmesser ihrer ARRI Alexa, der signalisiert, dass für das Close-up, die Naheinstellung, endlich alles perfekt ausgeleuchtet ist. In dem Studio-Dreh geht es darum, sowohl real gefilmte Elemente mit dem Hauptdarsteller „Talis“ – als auch digitale Set- und Character-Elemente hybrid zu kombinieren. In den Übungen für den Film "Helheim" werden nicht nur künstlerisch-gestalterische und handwerklich-technische Kompetenzen geschult, sondern auch methodische Strategien trainiert und damit  ein tiefes Verständnis für die Kameraarbeit, Design und virtual Environments in einem filmischen Kontext geweckt, was ganz typisch für den neuen B.A. Visual Effects & Virtual Productions ist. Hier ein Video des benachbarten RBB Rundfunk Berlin-Brandenburg über den Tag der offenen Tür am 02.11.2024.

Neben der klassischen Arbeit mit VFX lernen die Babelsberger Studierenden aber auch, mit der neuen Technologie "Stage Craft" Filme in einem Studio auf LED-Bühnen zu produzieren, die komplett aus LED-Screens bestehen. Der Unterschied zum Dreh vor Green Screen: Schon während des Drehs wird die Kulisse auf diese LED-Leinwände gelegt. Ganz in der Nähe von München, in Penzing, auf dem Gelände eines ehemaligen Fliegerhorstes, befindet sich ein solches 360-Grad-Filmset aus hochauflösenden LED-Wänden auf einer Fläche von über 500 Quadratmetern: Hyperbowl.

Virtuelle Sets mit einem komplett aus LED-Screens bestehenden Studio liegen voll im Trend, wie die Produktion von "The Mandalorian" durch den Hollywood-Riesen Disney gezeigt hat. Doch der Nachwuchs ist für die neue Technologie nicht geschult. Und so kam das nicht ganz uneigennützige Angebot von HALOSTAGE Virtual Production, Studierende der Filmuniversität Babelsberg und der HdM Stuttgart in einem gemeinsamen Projekt auf dem Campus der Filmuni mit der neuen virtuellen Technologie vertraut zu machen. Es entstand der Film "Der Turm". Doch künftig wird man diese Technik den Studierenden nicht mehr kostenlos anbieten können. “Die Hochschule Hamm-Lippstadt verfügt jedoch als aktuell einzige deutsche Hochschule über eine solche vollwertig professionelle LED-Stage, die nahezu jede Szene und jedes Bild darstellen kann”, sagt Studiengangleiter Professor Rico Dober von der Filmuniversität Babelsberg. Die Wände sind aus tausenden von winzigen LEDs aufgebaut und so lassen sich hochauflösende, immersive Szenen erzeugen. “Unsere Babelsberger Studierenden können in weiteren Kooperationen mit der Hochschule Hamm-Lippstadt diese Technologie dort nutzen, weil das virtuelle Produzieren den Workflow am Set entscheidend verändert: Teile der Postproduction entfallen, dafür sind die Vorbereitungen viel zeitaufwändiger.”

In München sind eine Vielzahl renommierter VFX-Studios vertreten, die unter Zeitdruck an Produktionen für Hollywood arbeiten, allen voran für Marvel Studios. Zum Beispiel TRIXTER in einem Hinterhof in der der Münchner Amalienstraße 67, ein Studio, das an der Produktion von Spider Man, Budget 175 Mio., finanziert durch Sony,  – eingespielt 334 Mio. USD, maßgeblich beteiligt war: Über hundertvierzig feste und freie Mitarbeiter aus 30 Nationen waren bei TRIXTER 8 – 9 Monate damit beschäftigt. Vom Dreh am Berliner Gendarmenmarkt, wo ein Stuntman von Spider Man Darsteller Tom Holland drei Sprünge von oben vom Quartiert 205 wagte, über Arbeiten vor Green Screen bis zum Character Design. Oder Iron Man 3, wo TRIXTER für seine Visual Effects für den Oscar nominiert war. Die Kommunikation im Studio: Auf Englisch. Wie kommt man an die Jobs aus Hollywood? „Persönliche Beziehungen in L.A. sind das entscheidende“, sagt TRIXTER-Gründer Michale Coldewey: „Anfangs war München nicht auf dem Radar von Hollywood-Regisseuren. Wir haben mit Planung und Concept Art ganz vorne angefangen und dann mit Qualität überzeugt: Von Captain Amerika bis Marvel‘s the Avengers.“ Hier die Show Reel's.

2011 bekam RISE hohen Besuch aus den USA: Die Produzenten von „Captain America“ baten die Jungs von RISE, Todesstrahlen zu simulieren und die Getroffenen verpuffen zu lassen: „Damit waren wir bei Marvel `drin`.“ 12 Jahre nach ihrer Gründung sind sie das immer noch.  RISE hat das HQ in Berlin und Niederlassungen in London, Köln, Stuttgart und in München auf dem Fresenius/ AMD-Campus an der Infanteriestraße. Und beschäftigt 100 Artists, dazu kommen 120 - 200 Freelancer. Neben den Comic-charakteren von Marvel und DC Comics hat RISE an „Harry Potter“, „A Cure for Wellness“, „Fast & Furios 8“ oder „Russendisko“ mitgewirkt. Für die Serie „Babylon Berlin“ bauten sie eine Datenbank aus virtuellen Gebäuden, Menschen, Bäumen und Bordsteinkanten und ließen das Berlin der 20er Jahre wieder auferstehen. Damit gehört RISE, das seit 2016 außerdem als Koproduzent auf dem internationalen Markt auftritt, zu einem der größten VFX-Studios Europas. Hier das Show-Reel von RISE und das Making of von Babylon Berlin.

Scanline VFX wurde 1989 in München gegründet und besitzt Studios in Vancouver, Montreal, Los Angeles, München und Stuttgart. Das Unternehmen ist für seine komplexen und fotorealistischen Simulationen natürlicher Phänomene wie Feuer, Rauch und Wasser, bekannt – zu sehen in Filmen wie San Andreas, Transformers und Independence Day: Resurgence. Neuer Eigentümer: Netflix

2008 wurde ScanlineVFX als Anerkennung für seine selbst entwickelte Simulationssoftware Flowline mit einem »Scientific and Technical Achievement Academy Award (“Technik Oscar”) ausgezeichnet. Aktuell arbeitet das Team unter anderem an Aquaman, Games of Thrones, Captain Marvel, Spider-Man – Far from home – ca. 50 Mitarbeiter in Geiselgasteig, Bavariafilmplatz. Hier das Reel.

Pixomondo ist ein internationales Studio für Visual Effects und Creative Design. 2008 kam der Durchbruch mit dem Film „Der rote Baron“ mit Matthias Schweighöfer. Keine einzige dieser „fliegenden Kisten“ aus dem 1. Weltkrieg war je in der Luft. Inzwischen ist das Studio in der Stuttgarter Ostenend-Straße mit 80 Mitarbeitern, aber auch in Shanghai, Montreal, Toronto, Peking und Frankfurt aktiv.  Diese Präsenz ermöglicht die Zusammenstellung von exzellenten Teams weltweit, die an einem Projekt 24/7 arbeiten. Viele Absolventen der Hochschule der Medien, Stuttgart.  Hier das Making of  "Der rote Baron".

Pixomondo hat einen Academy Award für die besten visuellen Effekte für „Hugo Cabret“, drei Emmy Awards für „Game of Throne“ und andere Auszeichnungen erhalten.

Auch die Hochschule für Fernsehen und Film München bietet einen Diplom-Studiengang Bildgestaltung mit Schwerpunkt Visual Effects mit jährlich sechs Erstsemestern bei etwa 100 Bewerbern, Zahl steigend, an, für den verschiedene Bewerbungsaufgaben zu lösen waren. Die Bewerbungsfrist endet am 28.02.2024. „Im ersten Jahr planen und gestalten 2 -3 Studierende ihren ersten Animationsfilm und setzen ihn um“, sagt Studiengangleiter Prof. Jürgen Schopper, der bei der Verfilmung von "Trautmann" bei ARRI Media für die Visual Efects verantwortlich war.„Es geht darum, Figuren und Geschichten filmisch umzusetzen“. Schopper: “Im zweiten Jahr geht es um eine ganz andere Art der Fotoästhetik: Computergenerierte Elemente werden mit Realfilm kombiniert. Das dritte Jahr ist davongeprägt, dass Studierende aller Studiengänge gemeinsame Produktionen realisieren.“ Hier das Making of von "Clean Aid" sowie das Making of von "Vertagt". Was sind die Auswahlkriterien für VFX an der HFF München? Schopper: „Wie gelingt es mir Geschichten in Bildern zu erzählen? Akzeptiert werden ein Video oder Skizzen.“ Nicolas Schwarz, HFF-Studierender in VFX im dritten Jahr: „Nach der Lösung der Bewerbungsaufgaben mussten wir Mitte Mai an der HFF in der zweiten Runde zu einer Übung antreten, wo ein Moodboard zu einem bestimmten filmischen Thema, Figuren und eine Szenografie farblich zu entwickeln waren.“ Nico: „Prof. Schopper erwartet Leidenschaft, macht aber auch einen guten Unterricht.“ Nico hatte bereits erste Erfahrungen mit Maya und Houdini, weil er zuvor schon an der BAF Bayerische Akademie für Fernsehen einen zehnmonatigen Kurs in VFX absolviert hatte. Er hat als Bewerbung einen zweiminütigen Animationsfilm eingereicht. Mayra Ebensen, 3.Jahrgang HFF-VFX, war damals bei ihrer Bewerbung an der HFF noch nicht so weit und hat mit Photoshop eine Bildergeschichte erzählt. 

Die mdh Mediadesign Hochschule München bietet bei einer Studiengebühr von 785 EUR monatlich einen B.A. in Digital Film Design - Animation/ VFX an. Aber was ist der Unterschied zwischen VFX, Animationsfilm und Games?VFX ist eine Kombination aus Realfilm mit Schauspielern und digitalen Elementen, etwa als Hintergrund, während in Animation alle Elemente, auch die Character, digital erzeugt werden“, sagt Studiengangleiter Prof. Thomas Gronert; „Im Games System Design geht es neben Überschneidungen mit Animation und VFX dagegen auch um die Mechanics, das Regelwerk als zentralen Bereich, das der Spieler als Prozess nicht durchschauen soll. Und um Art Integration, Level Design und Programmierung – also um IT-Bereiche“, so Gronert. „Games oder Virtual Reality/AR werden aber nicht von Grund auf neu programmiert. Sie werden vorkonfiguriert. Es gibt Engines, wie etwa Unity engine oder Unreal engine. Mit diesem „Werkzeugkasten“ können zum Beispiel Grafiken eingefügt werden.“ Die Unreal Engine ist also ein weiterer Satz von Werkzeugen, mit denen du die innere Mechanik des Autos, also den „Motor“ erstellen und ihm Logik zuweisen kannst, die es dem Auto als Kernstück ermöglicht, zu fahren. Und sobald du mit dem Fahrzeug auf ein Hindernis stößt, wird das Auto unfallbedingt beschädigt. Games Engines also werden eingesetzt, um 3D-Assets, wie ein Auto, zu „manipulieren“ und nicht, um sie in 3D zu modellieren. Und in welchen Bereichen kann ich als Absolvent arbeiten? “Als 3D-Artist bist du ein Generalist, als 3D-Animator ein Spezialist. VFX Artist und VFX Producer arbeiten z.B. in der Postproduction. Ebenso der Technical/Art Director, der Concept Artist, der Compositing Artist oder der Motion Designer, der Titelsequenzen als bewegtes Grafik Design gestaltet”, so Prof. Thomas Gronert.

Egal, wie du einsteigst: VFX & Virtual Productions ist eine Zukunftstechnologie mit vielen Jobs in der Filmindustrie - angestellt oder freiberuflich.

Studierende der Filmuniversität Babelsberg drehen vor Green Screen real und digital mit VFX den Film “Helheim” mit Hauptdarsteller “Talis”

Studierende der Filmuniversität Babelsberg drehen vor Green Screen real und digital mit VFX den Film “Helheim” mit Hauptdarsteller “Talis”. Foto in Studio 1 vor Green Screen: Uwe Kästner, Projekt “Helheim” unter Leitung von Prof. Alexander Pohl mit den Studierenden Maximilian Welscher, Fenya Troch, Jil Funk und Fion Jasper Hoppmann (kleines Motiv)





    

 

 

 

    

 

 

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