Phantasiereich die Mobilität von morgen gestalten

Design und Mobilität an der Hochschule Hof - das Wichtigste in Kürze

  1. Zeichnen als visuelles Arbeitsmittel

  2. Digitale Visualisierung

  3. Standort Selb der Hochschule Hof

  4. Studiengangleiter Professor Lutz Fügener

  5. Kai Langer, Head of Design BMW i berichtet über seine Arbeit

  6. Interner Wettbewerb der Automobildesigner bei BMW

  7. Ein Industrieprojekt mit dem AUDI Design Center Ingolstadt

  8. Design bei BMW Motorrad - Sen.-Designer Sebastian Wilm berichtet

  9. Projekt mit dem Berliner Startup LEMMO Bikes

  10. Als Designer zur chinesischen Premiummarke - Erfahrungen von Felix Heinrich

  11. Auswahlverfahren für den Design-Studiengang

Zeichnen als Kommunikationsmittel in Design & Mobilität: Student Patrick Reichel will mit wenigen Strichen viel ausdrücken

Patrick Reichel aus Dresden im 1. Semester: Hundert Sketches pro Woche sind nötig, bis jeder so viel Übung hat, dass er mit ganz wenigen Strichen viel ausdrücken kann. Foto: Uwe Kästner

1. Zeichnen als visuelles Arbeitsmittel

„In den Projektfächern ist Zeichnen ein wichtiges Arbeits- und Kommunikationsmittel“, ergänzt Prof. Alexander Forst. „Ab dem ersten Semester nutzen wir Zeichnungen, um unsere Ideen zu visualisieren, festzuhalten und zu besprechen.“ Prof. Alexander Forst ist Designer bei Canyon Bicycles, wo er in Koblenz im Innovation Lab arbeitet. „Die Zeichenplätze simulieren eine Situation wie im Designstudio, erzeugen eine professionelle Atmosphäre und schaffen Vergleichbarkeit und Austausch. Wir animieren die Studierenden deshalb, in Selb vor Ort zu arbeiten, um voneinander zu lernen. Das Zeichnen ist aus keinem Projektfach wegzudenken.“ Patrick Reichel ergänzt: „Bereits im zweiten Semester durften wir für das indische Busunternehmen JBM, das mit seinen Elektrobussen auf den europäischen Markt drängt, neue Ideen generieren und unsere fotorealistischen Renderings und ein 3D-Modell vor der Entwicklungsleitung des Unternehmens präsentieren.“ Außerdem arbeitete das zweite Semester im Rahmen eines Projekts mit einem renommierten deutschen Fahrradhersteller zusammen. Kurzprojekte von ein bis drei Wochen sind typisch für das zweite Semester – teilweise mit Partnern. „Es geht auch um das Trainieren der Startphase eines Projekts“, erklärt Prof. Fügener. 

Entwürfe im 1. Semester: Till Galimbis: “Die Zeichenplätze simulieren eine Situation wie im Designstudio", sagt Prof. Alexander Forst

“Die Zeichenplätze simulieren eine Situation wie im Designstudio, erzeugen eine professionelle Atmosphäre und schaffen Vergleichbarkeit und Austausch”, sagt Prof. Alexander Forst. Entwürfe im 1. Semester: Till Galimbis. Foto: Uwe Kästner

2. Digitale Visualisierung

„Der Knoten ist viel zu klein, er muss flächiger sein!“ Wir sind im Tutorium „Digitale Visualisierung“ zur Erarbeitung von 2D - Grafiken mit Adobe Photoshop mit Prof. Forst: „Der Hintergrund braucht viel mehr Sättigung. Und ihr Fahrrad schwebt im Raum. Mit der Erzeugung eines Schlagschattens unter den Reifen stellt man das Stehen auf dem Boden grafisch dar.“ Prof. Forst kommt zum Abschluss: „Sie werden nie von Anfang an die richtige Dimension treffen. Was ist der Ist- und was der Soll-Zustand?“ Er deutet auf Tills Grafiktablett: „Hier, diese Linie sitzt nicht da, wo sie sein soll.“ 

Fahrrad-Rendering Sideview - Tutorium “Digitale Visualisierung” zur Erarbeitung von 2D - Grafiken mit Adobe Photoshop mit Prof. Forst

Tutorium “Digitale Visualisierung” zur Erarbeitung von 2D - Grafiken mit Adobe Photoshop mit Prof. Forst. Foto: Uwe Kästner

In der nächsten Stunde steht Weekly Exterieur Projects mit Prof. Fügener auf dem Stundenplan. Thema: „Ein PS – Kutschendesign”. Das ganze Beta-Semester, also der zweite Jahrgang, sitzt vor der Video-Wall. Und einer nach dem anderen präsentiert seine Key-Sketches: „Können sie uns das mal erklären – an der Kutsche sind ja gar keine Räder dran?“ Doch, aber die Räder sind verkleidet, rechtfertigt sich Anne. Prof. Fügener lacht: „Dann wissen sie jetzt, wo das Wort Kotflügel herkommt.“ Aber er ist noch nicht zufrieden: „Der Fahrer guckt ja aus der Kutsche nach hinten raus. Muss er das Pferd nicht steuern?“ In der kommenden Woche will Prof. Fügener die Pferdekutsche weiter entwickeln: „Wir machen dann eine Matrix mit verschiedenen Antriebsmöglichkeiten. Für ein Fahrzeug, bei dem das Pferd ersetzt werden kann…“         

Weekly Exterieur Projects. Das Thema: “Ein PS - Kutschendesign”: Jacob Haß präsentiert seine Key Sketches an der Video-Wall

Weekly Exterieur Projects. Das Thema: “Ein PS - Kutschendesign”: Jacob Haß präsentiert seine Key Sketches. Foto: Uwe Kästner

3. Standort Selb der Hochschule Hof

Wir sind in Selb – drei Bahnstunden von München. Die oberfränkische Stadt im Fichtelgebirge, nahe der tschechischen Grenze, steht für feinstes Porzellan, wie Rosenthal oder Hutschenreuther – einst zwei verfeindete Brüder. Doch in den 90er Jahren folgten Produktionsverlagerungen in Niedriglohnländer, verknüpft mit einer ganz speziellen Form von „Werteverfall“: Die Stadt Selb, die stets nur auf diesen einen Industriezweig gesetzt hatte, zahlte für ihre Monostruktur: Die Zahl der Arbeitsplätze in Porzellanunternehmen gingen von 5.000 im Jahr 1965 auf heute weniger als hundert zurück. „Wenn wir nicht mit der Zeit gehen, gehen wir mit der Zeit“, so der Schulleiter der über 100 Jahre alten Staatlichen Fachschule für Porzellan, Dr. Nitsche vor wenigen Jahren. Vor dem Hintergrund dieser Strukturkrise bekam die fränkische Region vom Bayerischen Ministerpräsidenten im Jahr 2020 endlich grünes Licht für die Errichtung eines neuen Bachelor-Studienganges. Und Aussicht auf 15 Mio. EUR für ein Designstudio. “Für Selb legen wir den Turbo ein”, so Söder im Januar 2020. Vier Jahre später ist auf dem Hutschenreuther-Areal eine Baugrube ausgehoben. Die Baukosten haben sich inzwischen mehr als verdoppelt. Im Spiegelhaus der Rosenthal Manufaktur schließen dagegen im Winter bereits die ersten Absolventen in Design und Mobilität ab.  

Bei den Mobility Design Days geben sich Deutschlands Top-Designer die Klinke in die Hand: Kai Langer, Head of Design BMW i, der Elektrosparte von BMW, Jahrgang 1976 und seit 21 Jahren im Unternehmen, Anne Forschner, Creative Director Exterieur Design BMW Neue Klasse, seit 16 Jahren bei BMW, Sebastian Wilm, Senior-Designer Urban Mobility, BMW Motorrad oder Felix Heinrich, Interieur Design Manager im Münchner FAW Global Advanced Design Studio des zweitgrößten chinesischen Autobauers Hongqi, wo er an der Entwicklung des neuen “Golden Sunflower Concept“ für die Peking Autoshow beteiligt war. 

4. Studiengangleiter Professor Lutz Fügener

Nicht wenige von ihnen sind ehemalige „Schüler“ von Design Legende Prof. Lutz Fügener, der im Herbst 2021 von der Hochschule Pforzheim nach Hof ins Fichtelgebirge ging und den neuen Studiengang Design & Mobilität leitet. Fügener wuchs in der DDR auf, startete in Maschinenbau an der TU Dresden. Nach der Wende wechselte er das Fach: An der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle (S), der „Designerschmiede des Ostens“, absolvierte er erfolgreich ein Studium in Industrial Design, bevor er an Entwürfen für die „Neue S-Bahn Berlin“ mitwirkte. 1995 wird er Partner und heute gleichberechtigter Miteigentümer des Designbüros studio FT in Berlin, wo er vor einigen Jahren beispielsweise den Sportwagen Melkus RS2000 sowie den Solaris Metrio Style entwirft: Einen weinrot glänzenden Oberleitungsbus, der die Salzburger in Begeisterung versetzt. Der Experte, der auch an der RWTH Aachen unterrichtet, gehört zur Red Dot Jury. Ein Label, das sich international als eines der begehrtesten Qualitätssiegel für gute Gestaltung etabliert hat. Der Achtundfünfzigjährige, dem im Jahr 2000 seine erste Professur übertragen wurde, lebt seit vielen Jahren in Leipzig, arbeitet in seinem Berliner Designbüro und kommt während der Vorlesungszeit täglich nach Selb.

5. Kai Langer, Head of Design BMW i berichtet über seine Arbeit

BMW hatte – im Gegensatz zu anderen Marken -  in den letzten beiden Jahren stetiges Wachstum. Die Werke in Deutschland sind gut ausgelastet: Aufgrund hoher Nachfrage wurde im BMW-Werk Regensburg die Nachschicht wieder eingeführt und für Leipzig wird dies vorbereitet. Das Unternehmen arbeitet auf Rekordniveau und wird in diesem Jahr in Deutschland mehr als 1 Mio. Autos bauen. Jedes dritte Auto, das 2024 in den bayerischen Werken vom Band läuft, ist vollelektrisch. „Was ist, wenn Vollautonomie zuschlägt?“, fragt Kai Langer in die Runde. Sollen Fahrzeuge dann wie Autos ohne Lenkrad aussehen? Der Transportation Designer lacht: „Nee, wir machen genau das Gegenteil: Emotionalität, die Freude am Fahren stehen bei BMW i im Mittelpunkt.“ Aber das klassische Autodesign kann man dann vergessen: Es gibt kein vorne und kein hinten. Langer erzählt von seinem Designer-Team: Eine scharfe Trennung von Interieur und Exterieur gibt es bei BMW i nicht. Jeder interessiert sich für alles und darf bei allem mitreden und hat alle Freiheiten, um Vorschläge zu machen. „Ich selbst muss am Ende die Entscheidung treffen - bis dahin bin ich völlig offen für jedes Phänomen.“ In China gibt es bereits autonomes Fahren. Aber während globale Autobauer, wie BMW i auf On-Board-KI setzen, fördert China ein cloudbasiertes, zentralisiertes System, das die staatliche Überwachung intensiviert. 

Gesucht sind junge Leute, die Begeisterung für die Frage mitbringen, wie die Mobilität für unsere Gesellschaft morgen aussehen soll. „Experten aus der Industrie kommen mit ihrem aktuellen Knowhow in unsere Praxisprojekte, weil wir kein Design für heute machen. Wir gestalten den Wandel der Mobilität bei Fahrzeugen, Rollern oder Skateboards perspektivisch für 2030 oder - fünfzig“, so Student Patrick Reichel.    

Der noch sehr junge Bachelor in Design und Mobilität an der Hochschule Hof bildet Designer für die Mobilitätslösungen der Zukunft aus: Vom urbanen öffentlichen Massentransport über den interkontinentalen Fernverkehr bis zum individuellen Kleinfahrzeug – der Facettenreichtum dieses Themas ist ein wichtiger Faktor bei der Entwicklung intelligenter und effizienter Lösungen. Die Hochschule hat für die konzeptionelle Offenheit des neuen Studienprogramms viele positive Rückmeldungen aus der Industrie bekommen. „Mit Aufmerksamkeit beobachten wir die dynamische Veränderung im Feld der Mobilität. Wir sammeln Prognosen, Meinungen, begutachten Entwicklungen, Veränderungen und beziehen die Ergebnisse in unsere Planungen ein“, erklärt Prof. Lutz Fügener. 

Mit der BMW i Vision Circular richtet der Münchner Autobauer seinen Fokus im Jahr 2040 ganz klar auf Nachhaltigkeit und Luxus: „Die Prämisse ist 100% recycelbar“, betont BMW i Designer Kai Langer: „Das Auto von morgen soll wegen der Trennbarkeit der Materialien aus möglichst wenigen Rohstoffen hergestellt werden – kleben geht nicht.“ Aber wie kriegt man Premium und Luxus nachhaltig? Stahl und Aluminium sind gut recycelbare Stoffe, die jedoch nicht lackiert, sondern wie beim BMW i Circular eloxiert werden. 

Kai Langer (rechts), Head of Design BMW i, der Elektrosparte von BMW, Jahrgang 1976 und seit 21 Jahren im Unternehmen: “Der Fokus liegt auf Nachhaltigkeit und Luxus.”

Kai Langer (rechts), Head of Design BMW i, der Elektrosparte von BMW, Jahrgang 1976 und seit 21 Jahren im Unternehmen: “Der Fokus liegt auf Nachhaltigkeit und Luxus.” Foto: Uwe Kästner am 26.07.2024 bei den Mobility Design Days 2024

„Worauf achtest du beim Portfolio, wenn sich Studierende bewerben, will Prof. Fügener von Kai Langer, Head of Design BMW i, wissen: „Ich lege Wert auf einen kreativen Inhalt. Welche Lösung, die es bisher noch nicht gab, bringt welchen Mehrwert? Und ist der Kandidat variabel in seinem Denken?“ Langer: „Das sind die Themen, die mich interessieren. Und nicht, ob er perfekte Ellipsen zeichnen kann.“ Er ergänzt: „Kreativität erfordert Selbstbewusstsein – das rauszulassen, was ich denke.“ Zu dem zehnköpfigen Designer-Team von BMW i gehören beispielsweise Dirk Müller-Stolz, Matthias Junghanns, Olivier Pitrat, Erik Melldahl oder Claudia Geidobler

6. Interner Wettbewerb der Automobildesigner bei BMW

Prof. Lutz Fügener: „Für die Arbeit als Automobildesigner ist eine ständige Konkurrenzsituation typisch.“ Die Studierenden werden frühzeitig darauf vorbereitet, diesen extremen Wettbewerb auszuhalten, um trotz Druck von allen Seiten Kreativität zu erzeugen. „Man muss liefern“, betont Fügener. „Jeden Tag. Und man muss extrem kommunikationsfähig sein: Bei der Zusammenarbeit mit Entwicklungsingenieuren, mit den mächtigen, aber eher ungeliebten Marketingleuten, mit Interieur Designern oder Modelleuren - bei BMW über fünfzig - , die handwerklich sehr viel mehr können, als Designer. Verstehen, was die wollen.“ Dabei kommt es nicht selten zu Konflikten: „100 PS sind 100 PS. Da gibt es nichts zu deuteln. Aber gestalterische Fragen sind vage. Emotionen haben keine Maßeinheit.“ Das ist Technikern oft suspekt. Eine Designstrategie im Spannungsfeld von Sportlichkeit und Eleganz, das ist eine große Spannweite“, erklärt Anne Forschner, Creative Director Exterieur Design BMW Neue Klasse, seit 16 Jahren bei BMW: „Immer feiner werden die Entwürfe. Zuletzt geht es nur noch um Millimeter.“ Und über den internen Wettbewerb der Designer bei BMW untereinander: „Manche blühen auf wie eine Blume und wollen gewinnen. Andere leiden darunter, gegeneinander anzutreten. Am Ende gewinnt nur ein Entwurf den Gestaltungsprozess, der später als Sieger in Serie geht.“ Forschner lacht: „Doch dann kommt plötzlich der Fahrzeugingenieur und verkündet, dass die Akkus jetzt doch sehr viel größer werden und Platz fordern. Eine Lösung muss her.“ Es geht um die Konvergenz von Technik, Design und Ergonomie im Fahrzeugentwicklungsprozess.  

7. Ein Industrieprojekt mit dem AUDI Design Center Ingolstadt

Zu Semesterbeginn weiß man oft gar nicht, wo die Reise hingeht. Ein Ansatz, der die Industrie deshalb so reizt, weil sie über solche personellen Ressourcen zum Experimentieren gar nicht verfügt. Die höheren Semester - schon fest in verschiedene Industrieprojekte eingebunden, arbeiten im Spiegelhaus der Porzellanmanufaktur Rosenthal, wo sie in einer verschworenen Gemeinschaft viele Stunden täglich unter enormem Zeitdruck zeichnen und darauf brennen, als Designer später einmal erfolgreich zu sein.

Kombinationsdesign unterschiedlicher Marken

Kombinationsdesign unterschiedlicher Marken. Entwurf und Bildrechte: Moon Hyeonwoo, Korea, Foto: Uwe Kästner

Im Winter 2023/24 arbeitete das 3. Semester mit dem Audi Design Center Ingolstadt (DCI) am Thema „beyound premium“: Wie können Mobilitätslösungen der Zukunft im Premium-Segment des Jahres 2050 aussehen? 

Zeichnerischer Entwurf: Die Fortschritte im 4. Semester sind nicht zu übersehen: Kooperationsprojekt mit dem AUDI Design Center Ingolstadt zum Thema “beyound premium”

Die Fortschritte im 4. Semester sind nicht zu übersehen: Kooperationsprojekt mit dem AUDI Design Center Ingolstadt zum Thema “beyound premium”: Wie können Mobilitätslösungen der Zukunft im Premium-Segment des Jahres 2050 aussehen? Entwurf und Bildrechte: Till Galimbis, Foto: Uwe Kästner

Die Studierenden haben jede Woche ein Einzelgespräch mit ihrem Prof: „Da gehen wir die aktuellen Zeichnungen durch, sprechen über Proportionen, die Aerodynamik. Oder ganz einfach über Kostenfaktoren.“ Darüber hinaus müssen die Studierenden im Rahmen der Projekte alle zwei Wochen vor Industrievertretern präsentieren – jeder etwa drei Minuten. Möglichst in englischer Sprache. Unter dem Titel „DRIP“ – Drone und Ship - entwickelte beispielsweise Jacob Haß, Studierender aus dem 4. Semester, Ideen für einen AUDI, der auf der Reise von A nach B im Flugmodus unterwegs ist, aber auch über dem Wasser schweben kann: „Die Steuerung erfolgt über einen Joystick, wie bei einem Hubschrauber“, so Jacob. Hier seine Entwürfe.

Design und Mobilität Hochschule Hof -Industrieprojekt „beyound premium“ mit dem Audi Design Center Ingolstadt. Entwurf: Jacob Haß

Industrieprojekt „beyound premium“ mit dem Audi Design Center Ingolstadt: Jacob Haß hat „DRIP“ – Drone und Ship entwickelt - ein Audi im Flugmodus, der auch über dem Wasser schweben kann. Entwürfe und Bildrechte: Jacob Haß, Foto Uwe Kästner

Christian Krecsir (22) aus Crailsheim, 6. Semester, dachte bei seinem Entwurf an weite Strecken quer durch Europa und entwickelte dafür ein luftiges Interieur mit modularen Boxen außen am Fahrzeug für das Gepäck. Hier sein Portfolio. Am 25.04.2024 wurden im Audi Design Center Ingolstadt die Ergebnisse vor weit über hundert Mitarbeitern präsentiert. Christian hatte vor seinem Studium – wie auch Patrick Reichel - "Katapult", einen gestalterischen Vorkurs an der Hochschule Pforzheim, ein Semester lang besucht, wo auch Teile seiner Bewerbungsmappe entstanden.  

Design & Mobilität: Christian Krecsir (22), 6. Semester, aus Crailsheim hat Entwürfe für einen Audi auf weiten Strecken quer durch Europa gestaltet

Christian Krecsir (22), 6. Semester, aus Crailsheim hat Entwürfe für einen Audi auf weiten Strecken quer durch Europa gestaltet. Entwürfe und Bildrechte: Christian Krecsir, Foto: Uwe Kästner

Im vierten Semester müssen die Studierenden zum ersten Mal ein Package einrichten. Prof. Fügener: „Zuerst werden die Volumen verteilt: Wo und in welcher Größe kommen Motor, Akkus, Tank, Pressluftflaschen oder Elektronik hin, wo sitzen die Passagiere?“ Es geht darum, dem hochanspruchsvollen technischen Ensemble, einem Package aus Motor, Fahrwerk und Karosserieelementen, den erwünschten Ausdruck zu verleihen. Eine erklärende technische Zeichnung wie eine Landkarte mit Beschriftungen – viel mehr ist das Package nicht. Die Schwierigkeit besteht darin, dass dieser Teil der Ausbildung für das Gesamtverständnis wichtig ist, später im Berufsleben aber zum Aufgabenbereich des Entwicklungsingenieurs gehört. Das Package-Bild wird 1:1 großformatig ausgedruckt und an die Wand gepinnt. Dann beginnt das Tapen: Freihändig wird schwarzes Klebeband zur Markierung der Formen und Falze des Autos aufgeklebt – Grundlage für das dreidimensionale Modeling mit Clay Plastilin – Schwerpunkt im vierten Semester. Vorteil: Ich kann die Linien aus schwarzem Klebeband unterschiedlicher Breite immer wieder optimieren und rückstandsfrei verändern – ohne dabei zu radieren. Diese Technik brachte Prof. Gerhard Friedrich, zuletzt viele Jahre Senior Manager BMW Design Works, der in Selb im 4./ 6. Semester lehrt, aus den USA mit: „Dies ist der Schritt, bei dem Designer und Ingenieure ganz früh aufeinander treffen und Hindernisse aus dem Weg räumen“, so Prof. Friedrich: „Der Designer zeigt, was er sich vorstellt, der Ingenieur sagt sofort, was technisch geht oder nicht geht.“ Darüber hinaus lernen die Studierenden im dritten Semester, mit Alias 3D ihre Entwürfe und mit Photoshop die Computer-Renderings fotorealistisch zu entwickeln, bevor im fünften Semester das Betriebspraktikum und im sechsten Semester der Interieur-Bereich mit Color & Trim, den Materialien im Fahrzeuginnenraum, folgen.

8. Design bei BMW Motorrad - Sen.-Designer Sebastian Wilm berichtet

„Wenn es um erste, schnelle Ideen für BMW Motorrad Design geht, scribbeln wir mit einem BIC-Kugelschreiber und Markern erste Vorlagen für die späteren Renderings. Eine sehr emotionale Geschichte“, erzählt Sebastian Wilm, Senior-Designer Urban Mobility, BMW Motorrad: „Es geht von innen nach außen – ich fange mit dem Motor als „Herz“ der Maschine an. Der ist ein Objekt für sich – wie eine Skulptur“. Wilm ist auf einer R1300 GS Adventure nach Selb gekommen, deren Design er selbst mitentwickelt hat. „Im Vorfeld werden unterschiedliche Analogien aus der Welt der Produkte, aktuelle gesellschaftliche Trends, als Design-Enabler kombiniert, die beispielsweise eine aufrechte Statur, eine imposante Größe oder eine erhabene Sitzposition symbolisieren, um beim Käufer als Zielgruppe eine bestimmte Wirkung, einen Hub zu generieren“, so Wilm: „Make life a ride“ – sehr viel mehr Technik und Leistung bei gleichem Gewicht – das neue Design, wie das der R1300 GS Adventure, soll sich vom Schwestermodell revolutionär abgrenzen.“ Beispiel Blechtank – oben abgedeckt, wo die Schweißnähte sind: Wie kann man den um Funktionen erweitern? Scharfe Kanten, die du berühren kannst, müssen – auch wegen der Beschichtung – im Radius 3 mm abgerundet sein. Wilm: „Wenn da gerade die Flightline, die Charakterlinie ist, hast du ein Problem.“ In der R1300 GS Adventure stecken jede Menge Ideen, die den Gebrauchswert erhöhen: „Wenn du auf dem Fahrzeug sitzt und dann von oben auf die Maschine schaust, dann stellst du fest, dass diese ‚Schultern‘, also die obere Form des Tanks, nahezu horizontal sind. Man kann dort etwas ablegen, wie die Sonnenbrille oder Schrauben bei einer Reparatur.“  

Der Designprozess bei BMW Motorrad dauert etwa 43 Monate vor Serie. Doch die Entwicklungszyklen in der Automobilindustrie haben sich immer weiter verkürzt. Nur wer mit dem rasant wachsenden Tempo Schritt halten und zeitgleich auf immer neue Herausforderungen reagieren kann, bleibt im Rennen. „Wir sind zwar in einem großen Industriebetrieb angesiedelt. Aber BMW Motorrad ist wie ein mittelständisches Unternehmen mit nur 30 Designern.“ Zum Team gehören beispielsweise Alexander Buckan, Head of Design BMW Motorrad, der nach einundzwanzig Jahren bei BMW das Design seit 2024 leitet. Oder Jean-Thomas Meyer, Motorcycle Designer - hier sein Sketchbook und andere seiner Entwürfe. Außerdem viele Ingenieure, auch im Projektmanagement. Gear & Garment, also Helme, Lederjacken oder Schuhe fürs Motorradfahren mit Daniela Schell als Modedesignerin bei BMW - Design trifft Funktion. Und eine Modeling-Abteilung für CAS mit Alias 3D: „Die Designer geben ihre Skizzen und Sketches dorthin – wenn du als Designer selbst stundenlang vor dem Mac sitzt, geht viel verloren von der schnellen, spontanen Idee“, so Wilm. „Die Designer bleiben lange bei BMW Motorrad, weil es super Spaß macht und BMW ein guter Arbeitgeber ist – ich bin dreißig Jahre hier. Wilm hat in Pforzheim studiert: „Das Art Center im kalifornischen Pasadena hätte mir schon getaugt, aber war viel zu teuer. Endlich hatte ich einen Platz im Master am Royal College of Art in London – aber dann kam die Zusage von BMW Motorrad.“ Was erwarten sie denn für Entwürfe im Bewerbungs-Portfolio, fragt Prof. Forst: „Motorrad ist sehr Technik lastig, weil alle Teile eine Funktion haben: Warum gehört diese Schraube gerade da hin? Das muss man mögen”, erklärt Sebastian Wilm. “Aber im Design geht es immer auch um die Ästhetisierung von Engineering: Technische Details müssen spannend und phantasiereich visualisiert werden und zum Träumen anregen.” 80% der Arbeiten in der Mappe sollten sich unbedingt mit dem Thema Motorrad beschäftigen, findet Wilm.  

9. Projekt mit dem Berliner Startup LEMMO Bikes

Nach einer Kooperation mit dem Designstudio der AUDI AG im Winter 2023/24 folgte für die Studierenden im 4. Semester im Sommer 2024 ein Kooperationsprojekt mit dem Berliner Startup LEMMO-Bikes zum Thema innovative Mobilität im urbanen Verkehr. Das Unternehmen hat die Vision, eine führende Rolle in der Mikromobilität des städtischen Verkehrs einzunehmen. Die Aufgabe: Gestalten Sie ein Interieur für ein drei- oder vierrädriges Fahrzeug mit Kurbelantrieb – E-Bike unterstützt. Es geht darum, eine neue Plattform zu entwickeln, die sich mit der Zukunft des Fahrrads auseinandersetzt (Cargo, Wetterschutz, innovative Ansätze). „Am Anfang steht die Interpretation der Gestaltungsaufgabe und die Erarbeitung einer Strategie“, erklärt Prof. Fügener. „Dann folgt die Planung und später die Umsetzung der Präsentation.“ Till Galimbis (20) aus dem fränkischen Wunsiedel hat ein E-Bike mit vier Rädern in Leichtbau aus Karbon entworfen. Das Gewicht: 150 kg, der Preis: kalkuliert etwa 6 Tsd. EUR. Außen an der Seite können Handwerker ihre Leiter oder Schüler ihr Skateboard an das Fahrzeug hängen. Das Dach ist abnehmbar. Hier ist Tills Portfolio zum LEMMO-Projekt. 

Moritz Frowerk (22) aus dem Raum Stuttgart hat dagegen unter dem Namen 'LEMMO California' ein vierrädriges E-Bike gestaltet, dass du in den Urlaub mitnehmen kannst: Das Surfboard kann auch als Dach genutzt werden. „Dass das Dach so drüber steht, das hat richtig Potenzial“, freut sich Prof. Fügener. In den sozialen Medien hat Moritz mit seinen Zeichnungen bereits hunderttausende Follower. „Ich schätze, es gibt nichts in meinem Leben, das mich mehr interessiert als Autos“, sagte er der Heilbronner Mediengruppe "Stimme".  

Till Galimbis (20) hat in dem Kooperationsprojekt mit dem Berliner Startup Lemmo Bikes ein E-Bike mit vier Rädern in Leichtbau aus Karbon entworfen

Till Galimbis (20) hat in dem Kooperationsprojekt mit dem Berliner Startup Lemmo Bikes ein E-Bike mit vier Rädern in Leichtbau aus Karbon entworfen. Entwürfe und Bildrechte: Till Galimbis, Foto: Uwe Kästner

10. Als Designer zur chinesischen Premiummarke - Erfahrungen von Felix Heinrich

„Um nicht immer nur Details wie Lenkräder zu gestalten, bin ich nach zehn Jahren bei Mercedes-Benz in Sindelfingen zu FAW nach München in den Interior-Gesamtentwurf gewechselt“, sagt Felix Heinrich, Interieur Design Manager im Münchner FAW Global Advanced Design Studio des zweitgrößten chinesischen Autobauers FAW, wo er an der Entwicklung des neuen "Golden Sunflower Concept" beteiligt war, das auf der Pekinger "Auto China 2024" präsentiert wurde. Hongqi – übersetzt die „Rote Fahne“ ist eine Premiummarke für Verbrenner. Der chinesischen Machthaber Mao wollte als Staatskarosse ein eigenes Produkt. Und so entstanden in den 50er Jahren Luxusautos für die chinesischen Kader in einem Design - teilweise gestohlen von Rolls Royce und anderen Luxusmarken – handwerklich gut, aber ohne ein eigenes Image. In den 70er Jahren baute der Konzern sogar einen Leichenwagen. Es folgte die Gründung eines Joint Venture mit Audi und VW, um in der Technik auf der Höhe der Zeit zu sein.              

Felix Heinrich ging im Sommer 2023 für drei Monate nach Changchun ins Headquarter der staatlichen chinesischen FAW Group: „Ich war völlig überrascht, wie schnell die Prozesse dort sind.“ FAW ist als Unternehmen sehr groß – etwa wie Mercedes-Benz in Sindelfingen mit 35 Tsd. Mitarbeitern. 60 – 70 chinesische Designer arbeiten vor Ort für FAW – die wenigsten sprechen englisch. Seit sechs Jahren gibt es das FAW Global Advanced Design Studio mit 30 Designern in den Münchner Highlight Towers. Im Oktober 2024 wechselt das Studio auf die nicht mehr genutzten Industrieflächen der Knorr Bremse, wo einst BMW im Jahr 1910 war." Felix Heinrich ging nicht allein zu den Autobauern aus dem Reich der Mitte: Auch sein Teamleiter bei Mercedes-Benz, Jan Kaul ging zu FAW: „Wir wollten from nice boy to punk, um dessen Identität zu stärken.“ Felix Heinrich lacht verschmitzt: „Bei FAW kann ich Sachen schnell durchsetzen, die bei Mercedes-Benz - mit seinen vielen Verhinderern - kaputt diskutiert worden wären: Mit Speed und schroffen, basisgeometrischen Elementen sowie feinem, sinnlichen Luxus wollen wir einen ästhetischen Charakter für das Hongqi Golden Sunflower Concept kreieren.“ Felix Heinrich konnte die Münchner Entwürfe in China in nur fünf Wochen als 1:1 – Modell realisieren lassen. Und das Modell mit viel Detailarbeit auf der "Auto China 2024" der Öffentlichkeit vorstellen. Er hofft nun, dass das Münchner Global Advanced Design Studio für FAW den Takt vorgibt und die Design-Strategie des Unternehmens bestimmt. Ob das die 60 – 70 Designer in China akzeptieren, von denen die wenigsten englisch sprechen, bleibt abzuwarten. „Das Luxus-Segment boomt“, erklärt Prof. Fügener. „Und lässt sich in China gut verkaufen. Zwischen Luxus und Kleinwagen ist gar nichts mehr. Und es werden auch keine Autos mehr für den deutschen Markt entwickelt.“ Er ergänzt: „Aber es gibt viele deutsche Designer in führenden chinesischen Unternehmen. Wie etwa Wolfgang Egger bei BYD.“ 

Der Wiener Vinzenz Wörtl, Gaststudent aus Pforzheim, der sein Praktikum in Italien bei Pininfarina in Cambiano, dem legendären ‚Centro Stile‘,dem „Hausdesigner“ von Ferrari absolviert hatte, kam im siebten Semester nach Selb. Er hat als Bachelor Arbeit ein wasserstoffbetriebenes Rennfahrzeug mit dem Namen "Loop" im 3D-Druck als Degree-Projekt entwickelt und damit sein Studium erfolgreich abgeschlossen. Sie haben sechs Semester an der Hochschule Pforzheim Transportation Design studiert und waren im siebten Semester in Selb an der Hochschule Hof in Design und Mobilität. Wie haben Sie den Unterschied zwischen beiden Studienangeboten subjektiv erlebt? Vinzenz Wörtl: „Das macht keinen großen Unterschied. Beides erstklassige Studiengänge mit sehr individueller Betreuung. Am meisten gelernt habe ich aber im Praktikum bei Pininfarina.“ Er lacht: „Ein Prof wie Lutz Fügener – das ist natürlich ein ganz besonderes Highlight!“ 

Der Wiener Vinzenz Wörtl hat als Double Degree ein wasserstoffbetriebenes Rennfahrzeug mit dem Namen "Loop" als Bachelor-Arbeit entworfen

Der Wiener Vinzenz Wörtl, Gaststudent im 6. Semester von der Hochschule Pforzheim, hat als Double Degree ein wasserstoffbetriebenes Rennfahrzeug mit dem Namen "Loop" als Bachelor-Arbeit entworfen. Entwurf und Bildrechte: Vinzenz Wörtl, Foto Uwe Kästner

11. Auswahlverfahren für den Design-Studiengang

Und wie sieht das Auswahlverfahren aus? Eine Mappe mit etwa 15 zeichnerischen Arbeiten im Format A2 ist zur Eignungsprüfung mitzubringen. Auf einzelnen Bögen können auch mehrere Skizzen aufgeklebt sein. Ergänzend auch Malereien, Fotografien oder Modellbau… Nach der Prüfung wird die Mappe wieder ausgehändigt. „Schnelle, lockere Skizzen aus dem Handgelenk heraus interessieren uns am meisten“, merkt Prof. Forst an. „Und es müssen nicht unbedingt Autos sein.“ Aber aus dem Inhalt kann man persönliche Interessen ablesen, erwidert Prof. Fügener. Hier einige Mappen-Beispiele

Zum Üben Themen aus älteren Eignungsprüfungen:

1.     Gondel einer Bergbahn und ihr Umfeld aus der Vorstellung zeichnen (Bleistift oder Kugelschreiber) – mit Personen: Proportionen sind wichtig. Also eine typische Situation - szenisch dargestellt. Das komplexe Thema ist aus der Perspektive zu zeichnen und zwar figürlich und architektonisch. 

2.     Vespa-Motorroller abzeichnen (stand vorne). Oder Motorrad-Helme

3.     Piktogramm vom Logo diverser Automarken aus der Vorstellung zeichnen (zuletzt: Skoda).

4.     Fahrer der Tour de France vor dem Eiffelturm

Fügener: „Überlegen sie bei der perspektivischen Darstellung immer zuerst: Wo stehe ich? In welcher Augenhöhe sehe ich die Szene?  Gucke ich vielleicht über die Dächer? Und skizzieren sie die Blickachsen.“ Er lacht: „Besser ist eine Skizze dann, wenn die Personen größer sind, als die Autos.“ Die Zeichnungen brauchen nicht bis ins Detail perfekt zu sein. Viel besser ist es, abstrakt zu zeichnen und mit wenigen Strichen viel auszudrücken. Auch, dass man Spaß an dieser Art zu zeichnen hat. „Bei unserer Beurteilung sind schnelle, dynamische Zeichnungen, die sich mit der Linie ausdrücken, am wichtigsten“, betont Prof. Lutz Fügener. Daher ist der Umgang mit der Linie das A und O. „Uns interessiert ihre Auseinandersetzung mit den Dingen der Welt. Machen Sie lieber zehn schnelle Skizzen und suchen sie die beste aus, als stundenlang ihre erste Arbeit zu perfektionieren. Die Reifen müssen aus dem Schwung heraus rund sein. Zeichnen sie lieber mehrere Ellipsen, als zu ängstlich stricheln. Und ziehen sie die Linien immer durch – von einem Punkt zum anderen.“ Fügener empfiehlt, geschwungene Linien aus dem Handgelenk heraus zu machen. „Keine ausreichende Varianz der Strichdicke“ stehe oft im Protokoll. „Ein weicher Stift ist immer besser, um Kontraste zu schaffen. Da, wo Licht ist, setze ich keine Schraffierung ein, sondern lasse es weiß.“ Fügener: „Oft sehe ich nächtelange Fleißarbeiten. Üben sie besser auch Geschwindigkeit: Man sieht den Strichen an, wie schnell sie sind. Und genau das möchte ich sehen: Charakteristische Linien.“ Das Schweben von Autos ist ein eher seltener Zustand. Daher stellt man den stehenden Zustand am Boden durch Schatten dar. Wer Details zeichnet, muss auf Funktionalität achten.  Aber: Autos erkennt man an Proportionen und nicht an ihren Details.“ Er rät davon ab, bei Fahrzeugen eigenkreativen Stylings zu entwerfen: „Ich schlage die Mappe auf und das Auto sieht irgendwie komisch aus: 7,80 Meter lang. Soll das so sein oder hat der Kandidat das nicht im Griff? Mit einem Golf kann ihnen das nicht passieren.“ Fügener weiter: „In der Mappe sind uns auch Skizzen aus dem Bereich des figürlichen Zeichnens wichtig. Und zwar in allen möglichen Bewegungsabläufen: Der Protagonist steigt ins Auto ein, hebt die Klappe an…“ Fügener will sehen, was die Figur gerade macht. Ob sie sich beim Einsteigen bückt. Egal ist ihm dagegen, ob die Figur lächelt. Wer Gelegenheit zum Aktzeichnen hat, kann seine Techniken auf jeden Fall verbessern. Fügener betont: „Es kommt uns darauf an, dass der Bewerber seine Arbeitsmittel beherrscht. Kreativität wird hier nicht geprüft.“ Daher werden auch keine phantasiereichen Bildergeschichten erwartet – ein „Sammelsurium“ an Arbeiten sei völlig in Ordnung, also möglichst breitgefächert und vielseitig. Denn Zeichnen mit dem Stift ist eine Form des Denkens. Es geht um die Visualisierung von Ideen. Fügener: „Wenn der Kunde sagt: ‚Kann man das mal ändern‘, muss der Designer seine Gedanken in Minutenschnelle skizzenhaft formulieren.“ 

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„Verweile doch, du bist so schön“ – Schauwerbegestaltung als visuelles Marketing

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Mit futuristischen Formen überzeugen - Transportation Design in Pforzheim