Mit futuristischen Formen überzeugen - Transportation Design in Pforzheim
The most important overview
Projekt mit MAN Truck & Bus München zum autonomen Fahren in urbanen Räumen
Studiengangleiter Prof. Kurt Beyer
Campus Design in Pforzheim an der Eutinger Str. und an der Holzgarten Straße
Von Michael Maurer bis Marc Lichte - bekannte Absolventen
“Opposites united” - ein Industrieprojekt mit Kia
Karim Habib von Kia und seine Designphilosophie
Deepal SL03 - ein Vorproduktionsfahrzeug des chinesischen E-Autobauers Changan
“The future of flying Shapes” - Semesterprojekt über ein Flugobjekt für Changan
“Vivid Dream - Lebhafte Träume” - Bachelor-Arbeit nach Praktikum bei CUPRA in Barcelona
Auswahlverfahren Transportation Design in Pforzheim
Mappenberatung sowie Vorsemester “Katapult”
„Gestalte ein autonomes Fahrzeug, das die Bedürfnisse einer nachhaltigen Zukunft in urbanen, städtischen Gebieten in den Mittelpunkt stellt. Dein Konzept soll ein Bindeglied zwischen Mobilität und einer lebenswerten, menschenorientierten europäischen Großstadt sein“, lautet die Aufgabe des fünfmonatigen Industrieprojekts mit MAN Truck & Bus München in Transportation Design. Das Ziel: Wegweisende Ideen für ein Auto der Zukunft: Peer Steffensen hat in seinem Entwurf MAN Skärgård ein Amphibienfahrzeug mit Tragflächen unter Wasser entwickelt. Die Mischung aus Yacht und Auto soll zum Draufsitzen und Flanieren in der schwedischen Metropole Stockholm und den umliegenden Inseln einladen. Thorsten Bergmaier-Trede, Design Manager bei MAN Truck & Bus, der das Projekt begleitet, ist begeistert: „Eine revolutionäre Grafik und ein klares Volumen. Absolut perfekt!“ Und das Ganze quasi vor der Haustür des Rivalen Scania – mitten in Schweden. Der Heidelberger Axel Breun, dreiunddreißig Jahre bei Renault S.A.S. in Paris-Guyancourt, zuletzt zwölf Jahre als Design Director, hat – wie schon so oft – das Projekt im 3. Semester zusammen mit Andreas Hoffmann von Seiten der Hochschule betreut. Er lacht begeistert: „Wenn du aus der Industrie kommst, ist das hier an der Hochschule eine völlig neue Welt.“
Ein rollendes Café als autonomes Fahrzeug 2050: Luca G. Leaci präsentiert seine Entwürfe vor Thorsten Bergmaier-Trede von MAN Truck & Bus München, Prof. Kurt Beyer und Axel Breun, über dreißig Jahre bei Renault S.A.S Paris, zuletzt Design Director, heute im Ruhestand Lehrbeauftragter an der Hochschule Pforzheim. Entwurf und Bildrechte: Luca G. Leaci. Foto: Uwe Kästner
Ein rollendes Café als autonomes Fahrzeug für das Jahr 2050 hat dagegen Luca G. Leaci in seinem Entwurf "Le Carfe" konzeptionell entworfen. Die Farben: Pink und türkis. „Der runde Eingang soll Offenheit symbolisieren.“ Lucas Hilfsmittel: Photoshop und Blender. „Unser Ziel ist es, die Mobilität neu zu definieren. Auch was die Formensprache angeht“, sagt Studiengangleiter Prof. Kurt Beyer, seit fünfzehn Jahren – und bis heute – Chief Designer Interior bei Opel Automobile: „Drei Tage bin ich in Pforzheim, die übrige Zeit in Rüsselsheim.“ Prof. Beyer sowie Florian Theis, Chief Designer Advanced Concepts hatten einundzwanzig Pforzheimer Studierende zu Opel Design eingeladen, um dort visionäre Ideen für den "Iconic Opel 2040" zu entwickeln. 38 Nationalitäten arbeiten im Designerteam bei Opel. Prof. Beyer, Absolvent des renommierten Londoner Royal College of Art wurde 2023 mit dem begehrten Red Dot Design Award für die Gestaltung des Innenraums des Opel Astra ausgezeichnet. „Schon lange vor meiner Studienzeit habe ich ein erstes Praktikum bei Opel gemacht. Das Unternehmen war damals ganz klar von General Motors geprägt, von Detroit, und ich wusste sofort, dass ich bei einem internationalen Autobauer eine Menge lerne“, erzählt Prof. Beyer in einem Podcast. Und wie haben Sie ihre Zeit am Londoner Royal College of Art erlebt? „Das RCA ist sehr teuer“, so Prof. Beyer: „Sie haben sehr viel mehr Plätze als Pforzheim, aber ein schlechtes Betreuungsverhältnis.“ ‚Teuer‘ – das sind £ 35,950 oder umgerechnet 42 Tsd. EUR pro Jahr für Studierende „aus Übersee/ EU“.
Hochschule Pforzheim, Transportation Design- Campus an der Eutinger Straße. Foto: Uwe Kästner
Wir sind in Pforzheim. Eine Stadt im Nordschwarzwald, auf halber Höhe zwischen Stuttgart und Karlsruhe. Im Krieg wegen der Industrieansiedlungen fast völlig zerstört, danach auf die Schnelle irgendwie wieder aufgebaut. Es blieben nur wenige Gebäude aus der Vorkriegszeit erhalten. Darunter das 122 Jahre alte Jugendstilgebäude der späteren Hochschule für Gestaltung in der Holzgartenstraße, wo die Erstsemester ausschließlich künstlerische Grundlagenfächer haben. Der Lehrstuhl für Transportation Design liegt dagegen seit seiner Gründung 1984 etwa 2,5 km außerhalb der Stadt – direkt an der Autobahn in der Eutinger Str. 111. Hier ein Video über die Location. Die höheren Semester arbeiten hinter großflächigen, modernen Stahl-Glasfassaden. Im Nachbargebäude befinden sich die Clay-Werkstätten sowie die Arbeitsplätze des 2. Semesters. „Der Standort wurde bewusst so gewählt“, sagt Beyer: „Die in den Verträgen mit den Entwicklungsabteilungen der Autoindustrie festgeschriebenen Vereinbarungen sehen oft eine Geheimhaltung unserer Arbeiten vor.“ Er lacht: „Mehrere Vorteile für die Hochschule sind nur der eine Aspekt der Projektarbeit. Viel wichtiger: Absolventen des Studiengangs Transportation Design haben dadurch oft schon vor Abschluss des Studiums ihren Vertrag bei einem Automobilunternehmen in der Tasche – so begehrt sind sie.“
Durch die Projektarbeit mit der Industrie finden die meisten Absolventen noch vor Abschluss ihres Bachelor-Studiums einen Job: Hier das dritte und 4. Semester B.A. in Transportation Design mit 90% deutschen Studierenden. Im englischsprachigen Master dominieren dagegen Koreaner oder Chinesen bei einem Ausländeranteil von 80 Prozent. Foto: Uwe Kästner
Bei der Werkschau 2024 an der Eutinger Str. 111 ist auch die Industrie zu Gast. Die eine oder andere Visitenkarte wechselt den Besitzer. So ist es zu erklären, dass aus dem Bachelor-Studium mit etwa 90% deutschen Studierenden kaum einer im englischsprachigen Master wieder zu finden ist: Dort dominieren Koreaner, Chinesen, Australier, Araber, Südamerikaner, Engländer oder Osteuropäer – oft ausgebildete Industriedesigner. Der Ausländeranteil liegt bei gut 80%. Prof. Beyer: „Dem Arbeitgeber ist das egal, ob sie mit B.A. oder M.A. antreten. Der guckt sich nur das Portfolio an: Stimmt der Strich? Und kriegt er die Proportionen hin?“ Eine Ausnahme sind die USA, wo M.A.-Absolventen in großen Unternehmen, wie etwa GM, mit einer höheren Bezahlung rechnen können. Beyer: „Wir haben auch Partneraustauschschulen, wie das CCS in Detroit, USA oder das Umeå Institute of Design in Schweden, wo schon im Bachelor ein Auslandssemester möglich ist.“
Vom Hochschul-Ranking des amerikanischen Magazins „Businessweek“ bis zum Focus-Ranking – die Kaderschmiede des deutschen Automobildesigns braucht keinen internationalen Vergleich zu scheuen. Michael Maurer, Design-Chef bei Porsche und VW, von dem auch der aktuelle 911er stammt, oder Marc Lichte, im Juni 2024 zehn Jahre als Head of Design der kreative Kopf von Audi, sind die bekanntesten Absolventen des Studiengangs. Aber auch Andreas Mindt, Leiter VW Design, Peter Wouda, Design Director, VW Future Center Potsdam, Claas Connor, Design Director des chinesischen Changan Automobile European Design Center Turin, Brano Mauks, Chief Design Officer, SB Design Studios Prag oder Steffen Köhl, Head of Advanced Design Mercedes-Benz, sind „Pforzheimer“. Der Erfolg ist vordergründig auf die intensive Zusammenarbeit mit der Automobilindustrie zurückzuführen: Entwicklungsingenieure oder Designer aus der Wirtschaft stehen vom Zeichentisch auf, fahren nach Pforzheim und legen an der Hochschule los. „Im ersten Semester wird ausschließlich manuell gezeichnet“, erzählt Ben Oberhofer, Studierender aus München. Erst im zweiten Semester beginnt der Einstieg in Photoshop und Blender. Ab dem dritten Semester arbeiten die Studierenden an 2 - 3 völlig unterschiedlichen industriellen Projekten gleichzeitig – allein oder im Team: Wie später im Arbeitsleben eines Designers. Ein Studierender deutet auf das Poster mit den sauberen Skizzen und dem ausgefransten, farbigen Rendering: „Mir gefällt besonders der Kontrast – sauber gesketcht und dreckig gerendert.“ Vertreter aus der Automobilindustrie kommen aber nicht nur, weil sie sich darauf verlassen können, dass an ihren Ideen hinter verschlossenen Türen experimentiert wird. Sie wertschätzen besonders, dass die Pforzheimer professionell von Hand zeichnen können. In den ersten zwei Semestern haben alle „DESIGN PF“-Studenten – egal ob Schmuck-, Mode- oder Transportation Design - im Lehrgebiet Kunst Kurse in Zeichnung und Wahrnehmung sowie in Malerei. Acht Professoren stehen allein für diese sehr stark ausgeprägte künstlerische Grundlagenbasis zur Verfügung. Im 3./4. Semester wird dann ein Schwerpunkt aus Angeboten in Skulptur, Bildhauerei, Malerei, Zeichnen oder Video/ AV gewählt. Dazu kommen kulturwissenschaftliche Fächer, wie Designgeschichte, Kunstanalyse, Ästhetik oder Kreativitätstheorie. Ziel ist die Ausbildung von Künstlerpersönlichkeiten, die auf diese Grundlagen zurückgreifen und eigenständige Ausdrucksmöglichkeiten konzeptionell entwickeln. Denn es ist Bauhaus-Tradition, Kunst und Design zu vernetzen. Auch wenn Vehicle Design keinesfalls freie Kunst ist. Aber warum konnte sich ausgerechnet Pforzheim – neben dem Royal College of Art in London und dem Art Center of Design im kalifornischen Pasadena – zu einer der weltweit drei führenden Hochschulen im Automobil Design entwickeln? Eine Stadt, in der doch eher die Goldschmiedekunst zuhause ist. Die Wurzeln der Designerausbildung in Nachkriegsdeutschland liegen gar nicht so weit entfernt - an der Hochschule für Gestaltung Ulm der Geschwister-Scholl-Stiftung. Dort wurde beispielsweise in den 60er-Jahren neben dem Lufthansa-Logo das gelbe Corporate Design der Kranich-Linie inszeniert. Industriedesigner Prof. Fritz Frenker, TUM Emeritus of Excellence, President f/p design gmbh und früherer Chefdesigner der Deutschen Bahn AG: „Ausgerechnet der baden-württembergische Ministerpräsident Filbinger, immer wieder mit seiner braunen NS-Vergangenheit konfrontiert, wo er als Marinerichter – selbst vom Wehrdienst freigestellt - mehrere Todesurteile gegen Kriegsdienstverweigerer beantragt und vollstreckt hatte, zerschlug 1968 die Arbeit dieser erfolgreichen Hochschule, indem er die staatlichen Zuschüsse kappte.“ Später gingen führende Köpfe der Ulmer HfG nach Pforzheim, etwa Rektor Prof. Herbert Ohl oder Prof. Klaus Limberg, die dort das Industriedesign und später Anfang der 80er Jahre das Kfz-Design nach Bauhaus-Tradition aufbauten. Vor über dreißig Jahren, 1991, zitierte das abi-Berufswahlmagazin Gründungsvater Prof. Ohl in einem Interview: „Der Kfz-Designer muss nicht nur dreidimensional gestalten können. Er muss auch die Fähigkeiten eines Bildhauers mit dem Denken eines Ingenieurs vernetzen.“
Die Mehrzahl der Arbeitsplätze – weltweit um die 2.200, davon 1/ 3 in Deutschland – befinden sich später in der Industrie, den sogenannten OEM‘s: „In den Designbüros von Opel oder BMW ist die Stimmung gut. Natürlich wollen da auch alle hin“, sagt Prof. Beyer. Ein Großteil der Jobs ist darüber hinaus bei den Zulieferern mit eigenen Entwicklungsabteilungen im Bereich Automotive zu finden, die überregional arbeiten. Zum Beispiel VOLKE in Wolfsburg und München, Uedelhoven in Ingolstadt und Uedelhoven in München, in der Türkenstr. 103, Konzepthaus Consulting in der Osterwaldstr. 10 in München. Im Fahrrad-Sektor beispielsweise HDC Haibike Design Center - hier Bilder vom Firmenbesuch durch das E-Mountainbike Magazin. Oder Pininfarina in Cambiano/ Italien, das legendäre ‚Centro Stile‘, gewissermaßen der „Hausdesigner“ von Ferrari, wo der Wiener Vinzenz Wörtl, der als Bachelor Arbeit ein wasserstoffbetriebenes Rennfahrzeug im 3D-Druck entwickelt hat, sein Praktikum absolviert hat. In ganz Deutschland liegt der jährliche Bedarf bei etwa 30-40 Automobildesignern. Die meisten Hochschulabsolventen kommen als Newcomer bei diesen Zulieferern unter, die sich um die ganz Großen der Branche scharen.
„Die Front meines Zweisitzers ist technologisch und eckig – eben typisch Kia”, betont Lars Kaper bei der Vorstellung seiner Entwürfe für ein Industrie-Projekt mit Kia im vierten Semester. Entwurf und Bildrechte: Lars Kaper. Foto: Uwe Kästner
„Die Front meines Zweisitzers ist technologisch und eckig – eben typisch Kia”, betont Lars Kaper bei der Vorstellung seiner Entwürfe für ein Industrie-Projekt mit Kia im vierten Semester. Vor den Partnern aus der Automobilindustrie wird in englischer Sprache präsentiert. “Fun-rational: Inspired by sails, the main design theme is the top surface, which is made of a flexible, organic material.” Der Österreicher Lukas Worsche lacht, als er sein Projekt ‘Spaß-rational’ erklärt: “Inspiriert von Segeln ist das Hauptdesignthema die Oberfläche, die aus einem flexiblen, organischen Material besteht. Der Wagen ist mit speziellen Reißverschluss-Funktionen für den Einstieg ausgestattet. Dadurch können die Passagiere sehr eng im Fahrzeug sitzen und ein völlig neues Fahrgefühl erleben.”
Inspiriert von Segeln entsteht eine Oberfläche, die aus einem flexiblen, organischen Material besteht, betont der Österreicher Lukas Worsche bei der Präsentation seines Kia-Projekts. Entwürfe und Bildrechte: Lukas Worsche. Foto: Uwe Kästner
„Das Styling meine Prototyps ist sehr animalisch: Wie ein Tier, das sich duckt, den Kopf sehr tief setzt und losspringt“, beschreibt dagegen der Stuttgarter Julian Leidner, ebenfalls Studierender im 4. Semester, seinen Entwurf: Und in das Fahrzeug ist eine Drohne integriert, um Einkäufe nachhause fliegen zu lassen.“ Harun Heinemann aus Düsseldorf hat für seine Entwürfe unter dem Titel „Brise – Breeze“ unterschiedliche Analogien kombiniert: a) Den Baustil des Brutalismus der Moderne, b) verspielte Kinder, die das Abenteuer suchen und c) geometrisch – eckige und runde Formen – „Gegensätze, die vereinen“. Hier seine Entwürfe für Kia. Das vierte und sechste Semester der Pforzheimer Transportation Designer präsentiert am 12.07.24 im Rahmen der Werkschau ihr Kooperationsprojekt mit Kia vor Unternehmensvertretern, wie Laurent Boulay, General Manager Exterieur Design, Kia Europe Design Center Frankfurt, der mit seiner Formensprache beispielsweise die Karosserie des Kia XCeed entwickelt hat, sowie Ralph Kluge, General Manager/ Interieur Design, der durch seine Studie „Image by Kia“ zur Elektromobilität bekannt geworden ist. "Opposites United", also ‚Gegensätze, die vereinen‘ ist der Name des Projekts, an dem auch Studierende aus dem 6. Semester, wie Jakob Schöffler, beteiligt sind. Sie haben sich jedoch mit dem Interieur Design beschäftigt.
‘Opposites United’ ist der Name des Projekts mit Kia, an dem auch Studierende aus dem 6. Semester, wie Jakob Schöffler aus Augsburg beteiligt sind - für sie spielt jedoch das Interieur Design die entscheidende Rolle. Entwurf und Bildrchte: Jakob Schöffler. Foto: Uwe Kästner
Diese Philosophie der Designsprache von Kia, die unter Leitung von Karim Habib, Execuitive President und Head of Kia Global Design Center, geschaffen wurde, will die Verbindung von zwei Bereichen voranbringen, die bisher im Widerspruch zueinanderstanden: Menschliches Wohlbefinden und ökologische Nachhaltigkeit.
Der Düsseldorfer Harun Heinemann hat bei seinen Entwürfen unter dem Titel “Breeze - Brise” unterschiedliche Analogien kombiniert: “Gegensätze, die vereinen”. Entwurf und Bildrechte: Harun Heinemann. Foto: Uwe Kästner
Habib ist in fünf Ländern aufgewachsen, die völlig unterschiedlichen Kulturkreisen angehören. Schon als Junge entwickelte der spätere Sportler der kanadischen U20 Nationalmannschaft im Fechten für die von ihm so geliebten Autos zeichnerisch sogar eine eigene, fiktive Marke mit unterschiedlichen Modellen. Bereits während seiner Studienzeit am kalifornischen Art Center College of Design versuchte der Kanadier mit libanesischen Wurzeln das Grundsätzliche in Frage zu stellen und konnte sogar den bayerischen Automobilhersteller mit seiner innovativen Arbeit überzeugen. 1998 stieg er bei BMW Design ein und gelangte über mehrere Stationen im Interieur- und Exterieur ins Advanced Design. Seit 2019 ist Karim Habib jedoch zu Kia Motors als Senior Vice President gewechselt und wurde 2023 zum Executive Vice President Kia Worldwide berufen. Berufsberater Uwe Kästner traf ihn auf der mcbw Munich Creative Business Week:
Herr Habib, was zeichnet in ihren Augen einen guten Automobildesigner aus?
Karim Habib: Er muss natürlich sehr gut zeichnen können. Und er sollte ein Typ sein, der mit seinen Entwürfen nie zufrieden ist. Der immer noch etwas verbessern will. Und stets nach neuen Innovationen sucht.
Wie müssen denn meine Sketches aussehen, wenn ich mich zum Beispiel als Design-Student für einen Job in ihrem Team qualifizieren will?
Karim Habib: Eine einzige Idee aus vielen unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten, ist in meinen Augen zu wenig. Ich persönlich schätze es sehr, wenn ein junger Designer versucht, viele unterschiedliche, neue Ideen spannend zu vermitteln. Jeder bei Kia hat irgendwann als Praktikant angefangen. Und wenn ein Bewerber sein Portfolio schicken möchte – also ich habe eine ganz normale Adresse: karim.habib(at)kia.com.
‚Gegensätze, die vereinen‘ - diese Philosophie der Designsprache von Kia, die unter Leitung von Karim Habib, Execuitive President und Head of Kia Global Design Center, geschaffen wurde, will die Verbindung von menschliches Wohlbefinden und ökologische Nachhaltigkeit voranbringen und Widersprüche lösen. Berufsberater Uwe Kästner traf Karim Habib auf der mcbw. Foto: Uwe Kästner.
Mit dem Abschluss B.A. in Transportation Design können Junior Designer sowohl im Serien- als auch im Advanced Design arbeiten. Beyer: „Die Unternehmen wollen natürlich neue Ideen generieren: Wo könnte das konzeptionell mal hingehen? Zwei bis drei Fahrzeuggenerationen im Voraus.“ Es geht darum, langfristige Trends aufzuspüren, die über Jahrzehnte hinweg den Wert einer Marke steigern. „Auch im Advanced Design sind unsere Absolventen schon eingemündet“, freut sich Beyer stolz. „Vielleicht mehr als ein Zehntel von ihnen“.
Der Deepal SL03 - ein Vorproduktionsfahrzeug des chinesischen E-Autobauers Changan ist der Hingucker bei der Werkschau 2023 auf dem Campus der HS Pforzheim. Links vorne: Prof. Kurt Beyer. Foto: Hochschule Pforzheim/ Claas Connor
Werkschau 2023: Auf dem Pforzheimer Campus an der Eutinger Str. wird ein Vorproduktionsfahrzeug bestaunt, das sehr stark an Tesla erinnert. Hier ein Video über die Begegnung der Studierenden mit dem Auto. Das Video ist auch eine Liebeserklärung an Pforzheim. Doch im Gegensatz zu einem Tesla ist der Deepal SL03 des chinesischen E-Autobauers Changan in China schon für schlappe 20 Tsd. EUR – oder noch weniger zu haben. Es wird auch eine mit Wasserstoff-Brennstoffzellen angetriebene Version angeboten. Wegen seines zukunftsweisenden Designkonzepts und seinen intelligenten Funktionen wurde der Deepal SL03 mit dem renommierten Red Dot Design Award 2023 ausgezeichnet. Das Unternehmen drängt auf den deutschen Markt und hat Anfang September 2024 die Gründung der Changan Automobile Deutschland GmbH München bekanntgegeben. Am gleichen Tag, an dem Deutschlands wankender Autoriese Volkswagen die Schließung eines Werks in Deutschland ankündigte. „Die Chinesen pushen den Markt ohne Ende“, sagt Prof. Kurt Beyer. Während das Changan European Design Center im norditalienischen Turin, das u. a. von dem Pforzheimer TD-Absolventen Claas Connor als Design Director Innovation geleitet wird, zusammen mit Prof. Kurt Beyer als Gast seinen zwanzigsten Jahrestag feierte. Vor diesem Hintergrund pflegt das chinesische Unternehmen seit Jahren eine enge Beziehung zur Hochschule Pforzheim, hat die Studierenden zum Besuch seines Turiner Design Centers eingeladen und sponsort den Studiengang Transportation Design.
“The future of flying Shapes” - Semesterprojekt über ein Flugobjekt für Changan von Samuel Letzgus mit dem Namen “Limitless - Grenzenlos”. Entwürfe und Bildrechte: Samuel Letzgus. Foto: privat
„The Future of Flying Shapes“ ist der Name des Kooperationsprojekts im 4. Semester mit Changan: „Leitgedanke des Projekts ist die Zukunft fliegender Autos. Es soll gezeigt werden, wie ein mögliches Flugobjekt für die Marke aussehen könnte“, erzählt Samuel Letzgus (22), der aus dem Raum Tübingen kommt. „Das Ergebnis sind eine Reihe sehr unterschiedlicher Konzepte, die vom öffentlichen Transportmittel bis hin zu persönlichen, privaten Spaßfahrzeugen reichen. Eine wichtige technische Anforderung waren der vertikale Start und die vertikale Landung.“ In Gauting bei München gibt es bereits ein Startup, das senkrecht startende und landende Flugtaxis entwickelt - Lilium Air Mobility. Samuel weiter: „Aus gestalterischer Sicht ist es für uns besonders wichtig, die Designsprache von Changan in den neuen Luftfahrtkontext zu integrieren.“ Samuel hat als Vorbereitung auf seine Studienplatzbewerbung an einem Mappentutorium der Volkshochschule Reutlingen teilgenommen, das online von ehemaligen Studierenden kostenlos angeboten wird. „Ich habe einen Einsitzer mit einem sehr emotionalen Design entwickelt, der Leichtigkeit verkörpern soll“, so Samuel bei seiner Präsentation vor Claas Connor, Design Director Innovation, Alexandre Cornaert, Exterior Design Manager und Fabio Miniati, Senior Interior Design Manager – alle Changan, Turin. „Skulptural laufen die Character Lines spitz nach hinten.“ Hier ist Samuels Portfolio mit seinen Entwürfen für Changan unter dem Titel „Grenzenlos – Limitless“. Ein weiterer Entwurf stammt von seinem Kommilitonen Léon Zippel. Parallel dazu gibt es für das 6. Semester das Interieur-Projekt „Changan Dragon Fly“.
“Vivid Dream - Lebhafte Träume” - Modell in einer futuristischen Formensprache. Im 3D-Druck entwickelt von Kevin Kuchnia als Bachelor-Arbeit nach Praktikum bei CUPRA in Barcelona. Entwurf und Bildrechte: Kevin Kuchnia. Foto: Uwe Kästner
Kevin Kuchnia aus Sindelfingen hat im 5. Semester ein Auslandspraktikum am Headquarter des Seat-Tochterunternehmens CUPRA im Raum Barcelona in Katalonien gemacht. Als Bachelor-Arbeit durfte er für CUPRA ein Modell in einer futuristischen Formensprache im 3D-Druck entwickeln, das den Namen „Vivid Dream – Lebhafte Träume“ trägt: Kevin: „Vivid Dream verkörpert einen Ausbruch aus der Realität in ferne Träume. Es drückt den Geist der Marke CUPRA aus und stellt ein Transportmittel für surreale Welten dar.“ Hier ist Kevins Portfolio. Sein Modell als 3D-Druck hat Kevin über einen Monat lang nachbearbeitet – sehr viel manuelle Arbeit. Während die Bachelor-Absolventen ein Modell aus Clay-Plastilin oder im 3D-Druck realisieren, ist für die Master-Arbeit ein digitales Modell mit Animation vorgeschrieben. So, wie in der MA-Arbeit von Hyunsik Moon für Sponsor Mercedes-AMG: Ein Zweisitzer, der daher den Namen ONE+ONE trägt.
Moritz Deininger, der auch einen Abschluss in Fahrzeugtechnik besitzt, ist einer von insgesamt zwei Bachelor-Absolventen, die vom Bachelor in den Pforzheimer Master gewechselt sind, um mehr Zeit für Praktika und Jobsuche zu gewinnen. Im Master stand im Sommer 2024 ein Projekt mit Geely auf dem Plan. Der chinesische Autobauer, der bereits Volvo besitzt, ist auch mit knapp zehn Prozent als nun größter Einzelaktionär bei Mercedes-Benz eingestiegen und hat einen Platz im Aufsichtsrat eingefordert. „Im Jahr 2045 gehen wir von einer Allgegenwärtigkeit der KI in unserem täglichen Leben aus. Entdecken Sie, wie sich dies auf das Design auswirken kann.“ Moritz hat ein Rennkonzept für das Jahr 2040 entwickelt: „Geely CoPilot". Im KI-Modus bringt dir ein Roboter als Begleiter die besten Flugbahnen bei oder passt während der Fahrt die Federung an, um den Fahrspaß zu steigern. In gefährlichen Situationen oder nach einem langen Arbeitstag übernimmt der Roboter auch die Kontrolle über das Auto, wenn der Fahrer entspannt nachhause gefahren werden möchte. 2023 hat der chinesische Autobauer sein neues Geely Innovation Design Center Italy in Mailand eröffnet: „Das Wichtigste ist nicht mehr die Fähigkeit, schöne Zeichnungen anzufertigen – heute übernimmt die KI das –, sondern zu wissen, wie man die richtigen Lösungen auswählt und sie unter Wahrung der Designkohärenz kombiniert und dann von der 2D- zur 3D-Phase übergeht“, sagt Chen Zheng, Vizepräsident Geely Auto Group, dem Magazin Auto & Design. „Wir haben über 500 Designtalente verschiedener Nationalitäten in unserem Team. Ich reise jeden Monat nach Mailand und im Gegenzug kommen einige Designer nach Shanghai. Hier arbeiten Designer aus der ganzen Welt zusammen.“
Und wie sieht das Auswahlverfahren für den Pforzheimer Bachelor aus? „In die digitale Bewerbungsmappe gehören 10-15 freie Arbeiten, davon 2-3 Stillleben, also Gegenstandszeichnungen sowie 5–7 Arbeiten, die sich auf den Studiengang Transportation Design beziehen, also Fahrzeuge aller Art“, sagt Dipl.-Designerin Monika Markert, Prof. Beyers akademische Mitarbeiterin. Markert: „Dann schauen wir: Stimmt der Strich? Ist alles bündig?“ Markert meint damit, dass sich die Proportionen an der Realität orientieren müssen. „Das Motiv ist bei den freien Aufgaben völlig egal“, meint Ben Oberhofer aus München, Transportation Design-Studierender im zweiten Semester. „Du kannst eine Flasche oder ein Telefon abzeichnen, wo der Prof genau weiß, wie die Proportionen aussehen müssen.“ Ben: „Die Zeichnung braucht nicht bis ins Detail perfekt zu sein. Viel besser ist es, locker und abstrakt zu zeichnen und mit wenigen Strichen viel auszudrücken. Auch, dass du Spaß an dieser Art zu zeichnen hast.“ Viele der erfolgreichen Mappen sind auf Precore online zu sehen - leider jedoch nicht immer die allerbesten. Es wird auch ein gestalterischer Vorkurs an der Hochschule Pforzheim angeboten, "Katapult", ein Semester lang, wo auch Teile der Bewerbungsmappe entstehen. Der Kurs wird jedoch keinesfalls immer seinem Namen gerecht, wie die Beispiele von Patrick Reichel und Christian Krecsir zeigen.
Mappenberatung an der Hochschule Pforzheim mit Prof. Isabell Zuber, links in der Mitte, zuständig für Zeichnung und Wahrnehmung. Foto: Uwe Kästner
Mappenberatung an der Hochschule Pforzheim. Über hundert Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland haben eigene Arbeiten mitgebracht. Los geht’s mit den Lehrkräften aus den künstlerischen Grundlagenfächern. Jeder der sechs Professoren übernimmt eine Gruppe. „Wir wollen gemeinsam erarbeiten, welche Kriterien bei der Bewerberauswahl wichtig sind“, sagt Prof. Isabell Zuber, zuständig für Zeichnung und Wahrnehmung. Auf dem großen, rechteckigen Tisch und am Boden werden die mitgebrachten Arbeiten ausgelegt. Alle sollen im Uhrzeigersinn um den Tisch herumlaufen und sich einen Eindruck bilden. „Bei unserer Beurteilung sind schnelle, dynamische Zeichnungen, die sich mit der Linie ausdrücken, am wichtigsten“, betont Isabell Zuber. Daher ist der Umgang mit der Linie das A und O. „Uns interessiert ihre Auseinandersetzung mit den Dingen der Welt.“ Das bedingt, dass du die Realität nicht schon reduziert nach Vorlage eines Fotos abzeichnest. Besser ist es, beispielsweise sich selbst als Motiv vor den Spiegel zu setzen. Zuber: „Was zeigt sich auf der Zeichnung? Leidenschaft, Lebendigkeit, eine Intensität, Energie?“ Jeder Mensch hat eine andere Linienführung. So, wie jede Unterschrift anders ist. Zuber deutet auf eine Naturstudie mit Obst. „Wie oft haben sie das gezeichnet?“ Die Antwort ist selbstbewusst: „Dieses Motiv? Natürlich nur einmal.“ Zuber findet, dass ich das Leben, das Gewicht des Apfels erst ausdrücken kann, wenn ich ihn mehrmals gezeichnet habe: „Zeichnen ist ein Prozess. Eine Entwicklung, die wir durchlaufen.“ Und die hört nie auf. „Machen Sie lieber zehn schnelle Skizzen und suchen sie die beste aus, als stundenlang ihre erste Arbeit zu perfektionieren.“ Zur Aktualität erklärt Zuber, dass der Bewerber keine Zeichnungen älteren Datums einreichen sollte. Schularbeiten will man auch nicht sehen, sondern Aufgaben, die sich der Bewerber selbst gestellt hat. „Es ist wichtig, dass die Zeichnung kraftvoll und ehrlich ist und dem Betrachter entgegenspringt.“ Mit ‚ehrlich‘ meint Zuber die schnelle Skizze aus der Bewegung heraus. Eine Schülerin möchte wissen, wie die Bewertung der Arbeiten abläuft. „Na, wir tauschen uns aus: Wie findest du das? Guck dir das mal an.“ Die Farbe von einem Aquarell, das ein Fahrrad oder ein Motorrad darstellt, sei auflockernd und kommt bei den Kunst-Professoren sehr gut an. „Sie haben bestimmt schon mal den Begriff der ‚Komposition‘ gehört. Bei einem Arrangement mehrerer Arbeiten auf einem Bogen muss ich natürlich einschätzen, wie das als Ganzes rüberkommt.“ Zuber rät davon ab, Arbeiten nach dem Zeichnen kleiner zu schneiden. „Man sieht das!“ Dann folgt Kritik an einzelnen Arbeiten: „Bei dem Totenkopf kann ich überhaupt keine Linie mehr sehen – nur noch Schraffur. Und hier ist die Räumlichkeit nicht schlüssig dargestellt. Entscheiden sie sich entweder für die Parallelperspektive oder die Zentralperspektive, bei der alle Linien auf einen Punkt zulaufen.“ Und zu einer Kohlezeichnung bemerkt sie, dass dieser Stil nicht besonders geschätzt wird. Besser sei Tusche mit Füller. Zuletzt wird nach dem Auswahlgespräch gefragt: „Uns interessiert natürlich, welche Filme sie mögen, was sie aktuell gerade lesen und welche Designer sie kennen. Und wir schätzen eigenverantwortliche Persönlichkeiten: Ich zeichne für mein Leben gern und bin total neugierig.“ Das Eingeständnis, aus einer anderen Mappe in ‚Precore‘ abgezeichnet zu haben, kommt dagegen ganz schlecht an.
„Zum Wintersemester haben sich etwa 80 -100 Kandidaten auf unsere 15 Plätze beworben und zum Sommersemester waren es etwas weniger“, sagt Prof. Kurt Beyer. „Im Master Transportation Design hatten wir neunzig internationale Bewerber auf 8 Plätze.“ Das 3-monatige Vorpraktikum im Modellbau, in einer Schreinerei oder einer Schlosserei ist in jedem Fall vor Studienbeginn abzuleisten, also zwischen bestandener Eignungsprüfung mit Zulassung und Semesterbeginn: „Wir wollen nicht, dass bei der ersten Auseinandersetzung mit Maschinen in der Modellbauwerkstatt die Säge gewinnt.“
Die Künstlerische Eignungsprüfung besteht aus den drei Teilen: a) den künstlerischen Aufgaben für alle Design-Studiengänge (180 Min.) am Vormittag und b) den fachbezogenen Aufgabenstellungen speziell für das Transportation Design nachmittags (120 Minuten ohne Pause) – zusammen also fünf Stunden. Und c) das Fachgespräch – etwa 15 Minuten. Voraussetzung für die Teilnahme an der Prüfung ist das Zwischenzeugnis der Abschlussklasse. In der Prüfungskommission hat die Stimme des fachlich zuständigen Hochschullehrers, also Prof. Beyer, zweifaches Gewicht und das Votum des Professors für Kunst/ Designwissenschaften ist ebenfalls doppelt gewichtet. In Teil 1(Kunst) ist zunächst 1.) ein Stillleben mit Bleistift oder Kugelschreiber zu zeichnen (90 Min.). Beyer: „Zuletzt wurden verschiedene Tische ineinander gestellt und in der Mitte ein Skelett platziert. Die Bewerber saßen im Kreis um das Ensemble herum.“ Die Prüfung fand in 6 - 7 Räumen statt und die Anordnung der Gegenstände war jeweils ein wenig anders. „Bei mir waren es eine Schubkarre – auf den Kopf gestellt, eine Bierkiste und Dinge vom Dachboden, die als Stillleben und in Details eine Stunde zu zeichnen war“, so Ben. In Aufgabe 2.) war das gleiche Thema mit Pinsel und Farbe zu bearbeiten (60 Min.). Prof. Zuber: „Im künstlerischen Teil ist immer was mit Farben dabei. Es ist unpraktisch, wenn ich mich in der Prüfung zum ersten Mal mit dem Thema Farben auseinandersetze.“ Prof. Zuber erklärt: „Vor der Mittagspause waren 3a) ein Wurzelwerk und 3b) der dazugehörige Baum in Format A2 aus der Vorstellung zu zeichnen.“ Oder: Sich selbst aus der Vorstellung zeichnen. Oder: Zehn Stichpunkte, zu denen jeweils 5 Minuten eine schnelle Skizze aus der Vorstellung zu entwerfen ist – Beispiel Home-Office. Am Nachmittag standen die fachbezogenen Aufgaben 4 und 5 aus dem Transportation Design auf dem Programm: „Berlin 2050 – Fußball-WM“ mit Bleistift oder Kugelschreiber zeichnen (60 Min.). Also eine typische Situation – szenisch dargestellt, aus der Phantasie. Manche haben zum Beispiel skizzenhaft das bunte Treiben und Flugtaxis gezeichnet.“ Oder zuletzt: „Go Kart Racing“. In früheren Jahren: „Autocorso vor jubelnden Fans nach dem Sieg ihrer Mannschaft“ – z. B. bei der Einmündung in einen Kreisverkehr, „Rush Hour“, „Parkplatz vor dem Bahnhof“. „Tankstelle mit Fahrgästen“, die ins Auto einsteigen, „Studierende in einer Modellbauwerkstatt“. Oder: „Radwechsel bei der Tour de France“. Also immer ein komplexes Thema, aus der Perspektive zu zeichnen und zwar figürlich und architektonisch. Die letzte Aufgabe ist Nummer 5.) Eine erklärende Zeichnung der aufgebauten Gegenstände, ebenfalls im Format A2: Kart steht in der Mitte – von allen Seiten zeichnen. Oder in den Vorjahren: Messerschmitt Kabinenroller neu designen, oder: ein freundliches Fahrzeugdesign in ein aggressives Äußeres umwandeln, oder: Vespa, Formel 1- Rennwagen, Fahrrad mit Anhänger, Stoßstange, Motorroller, Karosserieteil, Fahrrad, Helm, Autositz. Die Gegenstände waren in der Seiten- und Draufsicht und der Perspektive zu zeichnen, wobei technische Details wichtig waren. „Üben Sie, reale Fahrzeuge abzuzeichnen und keine Fotos, deren Dreidimensionalität schon abgebildet ist.“ Prof. Beyer ergänzt: „Viele sind vom Zeitfaktor überrascht.“ Es kommt darauf an, was ich aus der Zeit von maximal 1 ½ Stunden mache. Erfolgreich kann man nur sein, wenn man Details abstrahiert und mit wenigen Strichen die Situation plastisch darstellt.“ Und: Nach baden-württembergischem Schulrecht hat jeder drei Versuche, sich für ein Design-Studium zu beweisen. Danach ist man „gesperrt“. Jedenfalls in Baden-Württemberg. Transportation Design wird aber auch an der Hochschule München, der Hochschule Hof und der FH Joanneum Graz gelehrt.