Berufsinfotag BMW Group: Online 10.05.2025 - im Werk 05.07.2025
Ausbildung bei BMW und der Technischer Modellbauer - das Wichtigste in Kürze
Berufsinfotage bei der BMW Group
Ausbildung bei der BMW Group - Überblick
Wer ist als Technischer Modellbauer geeignet?
BMW Forschungs- und Entwicklungszentrum FIZ - Entwicklung Design als Ausbildungsort
Vom ersten Online-Test über die Arbeitsprobe bis zum Interview - wie bereite ich mich vor?
Was ist TaLEnt?
Die Alternative: Eine Ausbildung zum Staatl. geprüften Produktdesigner mit Mittlerer Reife
Die BMW Group bietet 2025 zwei Events für Schulabgänger an : Den Online Berufsinfotag am 10.05.2025 von 10-13 Uhr, wo es um die Ausbildung oder ein Duales Studium im Werk München oder in der Niederlassung geht. Und den Berufsinfotag im Werk München am 05.07.25 von 08:30 bis 13 Uhr.
„Unsere Plätze für eine berufliche Ausbildung 2025 bei der BMW Group sind ab 26.07.2024 online“, sagt Christian Wand, Talent Manager Recruiting Germany bei der BMW Group: „Und wir besetzen unsere Stellen laufend, sobald wir einen geeigneten Bewerber gefunden haben.“ Der Autobauer BMW bietet allein in München 160 Ausbildungsplätze in sechzehn verschiedenen Berufen.
BMW 507 - ein zweisitziger Roadster: Aus 800er Hartschaum gefräst, gefinisht, gefüllert und lackiert von David und Luis - zwei Technische Modellbauer in ihrem dritten Ausbildungsjahr bei der BMW Group Foto: Uwe Kästner
Die Technischen Modellbauer sucht Ausbilder Florian Brandmaier am Auswahltag alle persönlich aus. „Brandmaier ist einer der ganz wenigen Kollegen, der jeden Bewerber und jede Arbeitsprobe persönlich anschauen will.“ Personaler Christian Wand lacht: „Letztes Jahr hat er sich für einen Kandidaten aus dem Modellflugzeugbau entschieden, der sehr gut in Mathe, Physik und Chemie war.“ Das ist für den Erfolg an der Berufsschule in Wasserburg am Inn wichtig, um die verschiedenen Eigenschaften von Materialien, wie Kunststoffen, Metallen, Holz und Klebern besser zu verstehen. In Wasserburg gibt es auch ein Schülerwohnheim.
Fünf Azubis bildet BMW jährlich zum Technischen Modellbauer aus. Im Vorjahr waren es vier Jungen und ein Mädchen, darunter 2 Abiturienten. „Liebe zum Detail, viel Geduld und ein gut ausgeprägtes räumliches Vorstellungsvermögen sind für Erfolg im Beruf wichtig“, betont Brandmaier. Bei der Auswahl unter den etwa einhundert Bewerbern – Hauptschüler nicht mitgezählt – legt Brandmaier besonderen Wert auch auf das Unterrichtsfach Technisch Zeichnen sowie ein einschlägiges Praktikum. „Wenn der Schüler behauptet, schon immer vom Modellbau fasziniert zu sein, überzeugt es mich wenig, wenn das Praktikum dann in der Werbeagentur und im Krankenhaus stattfand.“ Ausbilder Brandmaier zeigt die Arbeitsplätze seines Teams. „Wir arbeiten hier an Clay-Modellen, die ganz klar der Formfindung dienen.“ Das Medium Clay ist ein Industrieplastilin auf Wachsbasis, also eine Knetmasse, die im Ofen auf 50° Celsius erwärmt, eine weiche Konsistenz erlangt, bevor sie bei Zimmertemperatur so weit aushärtet, dass sie mit Stahlklingen, Holz- und Tonbearbeitungswerkzeugen - wie beim Rasieren - in Form gebracht werden kann. Der Modellbau und der Prototypenbau habe im Automobildesign einen enorm hohen Stellenwert: Erst das Modell macht eine Beurteilung von Proportionen und Formen möglich. Die hellbraune Farbe erleichtert dabei die Beurteilung der Formfindung. Bei diesem Prozess tritt der Technische Modellbauer erstmals in Erscheinung: „Aufgabe des Modellbauers ist es, die Auswölbungen nach Vorgabe des Designers oder des Aerodynamik - Ingenieurs anzupassen“, erklärt Brandmaier. „In frühen Designphasen arbeiten wir hier neben Cinema 4D und Catia, einer CAD-Software, oft auch mit CAS – Computer-aided styling.“ Diese Modelliermethode erlaubt Design-Änderungen oder eine Vielzahl an Varianten in kürzester Zeit. Brandmaier: „Da die verfügbare Entwicklungszeit für neue Fahrzeuge immer kürzer wird, müssen Wege gefunden werden, die Entstehung von Prototypen im Designprozess zu beschleunigen.“ Auf der Basis von CAD-Daten ist es auch möglich, vollautomatisch ein Modell mit kleinsten Details herzustellen: Der 3D-Drucker baut aus dünnen Kunststoffschichten nach dem Prinzip Laser-Schmelzen und -härten ein dreidimensionales Werkstück auf: „Stereolithographie im Rapid-Prototyping“. Brandmaier zeigt, wie ein Clay-Modell mittels drei festfixierter Laserscanner optisch vermessen wird: „Oft will der Designer den Kurvenverlauf korrigieren, stellt sich zum Beispiel eine stärkere Schwingung vor. Dann kann der Modelleur mit dem Touchpad die Kante der Punktewolke hochziehen und die Formgestaltung modellieren. Oder das virtuelle 3D-Modell per Datentransfer an einen der Entwicklungspartner weitergeben. “
Hufelandstraße 15 – Rückgebäude – nahe dem BMW-Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ). Die Abteilung „Entwicklung Design“ befindet sich unauffällig im Hinterhof im ersten Stock. Ein Betonbau mit Aluminium ummantelt. Das Treppenhaus ist mit einer Glasfassade verkleidet. Auf der Straße und am Empfang fallen zahlreiche Kameras auf. Eine Erklärung über Geheimhaltung wird zur Unterschrift vorgelegt. „Wir sind froh, dass wir als eine Art ‚Untermieter‘ das Equipment der Designabteilung für unsere Ausbildung nutzen können“, lacht Brandmaier. Im ersten Jahr sind „seine“ Azubis ganze drei Wochen in der Ausbildungswerkstatt in der Metallgrundausbildung, die demnächst in den Neubau des TaLEnt-Campus umziehen wird. Danach beginnt schon der Maschinenkurs in der Hufelandstraße. Weiter geht’s mit einer ersten, dreimonatigen Übung in der Holzbearbeitung: „Beim Bau des ‚Schiffchens‘ - auf dem Foto unten rechts neben “507” - kommt es vor allem auf ganz präzises Arbeiten an“, erzählt David Herberhold, Auszubildender im dritten Jahr: „Du brauchst extrem viel Geduld, wenn du dich so lange intensiv mit der Formgebung eines Stücks Holz beschäftigst.“ Als zweite manuelle Übung folgt ‚der verdrehte Quader‘. Im zweiten Ausbildungsjahr folgen eine Vielzahl wechselnder Projekte, wie zum Beispiel Ergonomie, Windkanal oder Juniorfirma. Hier werden echte Arbeitsaufträge bearbeitet, wie z.B. die Fertigung von hundert kleinen Modellautos für Geschenkzwecke. „Der Technische Modellbauer ist eines unserer qualifiziertesten Ausbildungskonzepte, wo das Unternehmen ein Höchstmaß an Input finanziert“, so die Jugend- und Auszubildendenvertretung. Denn vor Ort können sich die Azubis mit präzisen Arbeiten beweisen und im Rahmen der einzelnen Projekte erste professionelle Kontakte knüpfen. „Das ist nicht unwichtig, denn im Rahmen der Designentwicklung werden später für eine befristete Zeit Teams gebildet“, so Florian Brandmaier. Auf einen Exterieur-Designer kommen etwa vier bis fünf Modelleure. Im Windkanal wird der Fahrtwind bei 120-150km/h am Modellfahrzeug gemessen. Bei Kosten von fast tausend Euro pro angefangene Stunde ist immer ein Modelleur mit vor Ort, um beispielsweise Kanten kurzfristig anders zu gestalten. „Extrem sportlich sein heißt das für den Modelleur.“ Florian Brandmaier grinst: „Der Designer hat schließlich immer neue Ideen.“ Im Interieur Design spielt heute die Ergonomie eine zunehmend wichtige Rolle. Denn vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft geht es immer öfter um Fragen, wie z. B. „Kommt man im Cockpit bequem an das Head-up-Display oder die Taster und Schalter hin?“ - oder „…kann man da überhaupt noch einsteigen?“. Der zweite Schritt ist nun, auf der Basis der gespeicherten 3D-Koordinatoren ein hartes Frässtoffmodell als integriertes Modell mittels CNC zu fertigen. Einzelne Modellteile aus Duroplast-Harz – verstärkt mit Glasfaser – werden mit Passstiftbohrungen versehen, um die einzelnen Teile zusammen zu schrauben. Kompetenzen, die man auch in der Zwischenprüfung beherrschen muss, so Brandmaier. „Eine tolle Ausbildung“, sagt Luis Huber, einer von Brandmaier‘s Auszubildenden im dritten Jahr. „Besonders gefällt mir, dass der Kontakt mit den BMW-Designern und Ingenieuren so locker ist.“
Beim „Showcase“-Fahren auf der IAA oder einer anderen Messe werden neue Designs immer überspitzt dargestellt: So will man herausfinden, ob bestimmte Tendenzen im Fahrzeugdesign Anklang bei den Messebesuchern finden. Das 1 : 1 - Modell für den Messeauftritt wird mit einem kleinen Elektromotor ausgestattet, damit es zumindest im Schritt fahren kann. In der Serie wird das neue Design dagegen deutlich abgeschwächt realisiert. Auf der Werkbank liegen Flyer der Jugend- und Auszubildendenvertretung mit der Schlagzeile: „Schwarz auf Weiß: Die Betriebsvereinbarung zur unbefristeten Übernahme“. Nach Abschluss ihrer IHK-Prüfung werden sämtliche BMW-Lehrlinge in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen. Aber heißt das BMW-Azubi - Programm „TaLEnt“ am Ende vielleicht auch Einsatz in der Fertigung, wenn dort dringender Bedarf besteht? Brandmaier: „Ich kenne keinen Modellbauer, der die Designabteilung verlassen musste.“ Doch für unsere Azubis ist auch eine Freistellung ohne Bezahlung für den Besuch der Berufsoberschule oder für Abiturienten bis zur Bachelor-Arbeit möglich.
Im dritten Jahr haben Luis und David erste „Versetzungsstellen“ kennen gelernt, wo sie später einen ersten Ansatz finden können: „Wir waren in der Formgestaltung bei den Designern im FIZ und bei der Entwicklung von Prototypen für die „Neue Klasse“ mit einer Feststoff-Batterie dabei, die Reichweiten wie ein Verbrenner verspricht“, erzählt David. Ein Auto aus zwei Komponenten, unten das sogenannte Drive-Modul mit Fahrwerk und Batterie, darüber eine Karbon-Kabine für Passagiere. Die gesamte Fahrzeugarchitektur bricht mit bisher geltenden Prinzipien des Autobaus. „Und wir haben im Konzeptfahrzeugbau gefräst, Flächen aus Hartschaum gefinisht, Lack abgeschliffen oder Rahmen aufgebaut.“ Technische Modellbauer werden auch bei der Audi AG ausgebildet, Porsche bildet in der Prototypen-Abteilung in Weissach Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker aus.
Beim Schülertag der BMW Group macht Personaler Christian Wand den Jugendlichen Mut: Auf die rund hundertsechzig Ausbildungsplätze kommen pro Platz durchschnittlich 16 Bewerber. Doch die Nachfrage sei höchst unterschiedlich. Während bei der Besetzung der 18 Fertigungsmechaniker-Stellen eher wenige Bewerber zur Verfügung stehen, bewerben sich die meisten Schülerinnen und Schüler auf kaufmännische - und IT-Stellen.
Nach der Übermittlung der Bewerbungsunterlagen an BMW (Lebenslauf und Zeugnisse ohne Anschreiben) und einem ersten Online-Test der Firma ELIGO (s. unten) findet bei der BMW Group eine Vorauswahl statt. Etwa sechs Bewerber, die in die engere Wahl kommen, werden zu einem gemeinsamen Auswahltag eingeladen, der 2-3 Stunden dauert. Los geht’s mit einem kognitiven Leistungstest von ELIGO, der in fünfzig Minuten zahlreiche Aufgaben zum technischen Verständnis, sprachliche und rechnerische Aufgaben (z.B. Dreisatz) oder Multiple Choice Aufgaben zum logischen Denken beinhaltet. In einer Übungsversion kann der Test vorab auch einmal zuhause online geübt werden. Es folgt – je nach Berufsgruppe – eine 25-minütige Arbeitsprobe, die innerhalb von 5 Minuten von jedem einzelnen Bewerber zu präsentieren ist: Beispiel Elektrotechnik: Schaltkreis, Beispiel IT: Programmieraufgabe, Beispiel Maschinen- und Fahrzeugtechnik: Modellfahrzeug zusammenbauen, Beispiel Wirtschaftswissenschaften: Planen und organisieren. Die Technischen Modellbauer haben als Arbeitsprobe mit Werkzeugen, wie Kratzern, Schlingen-Werkzeugen oder Fugeneisen ein Stück Clay-Plastilin zu bearbeiten. Worauf kommt es an? „Wir beobachten das handwerkliche Talent“, erklärt Ausbilder Florian Brandmaier: „Man sieht sofort, wer Erfahrung und Übung in der manuellen Feinarbeit mitbringt.“ Den Abschluss bildet ein 30-minütiges Einzel-Interview: Vorher Infos über Unternehmen einholen, Dresscode beachten, Ansprechpartner beim Namen nennen, auf das Thema „meine Stärken und Schwächen“ vorbereiten, meine Begabungen und Talente und wie ich die im Beruf einsetzen kann, auf das Thema TaLEnt vorbereiten, „wer bin ich und was mache ich“ – authentisch und ehrlich sein, jede Info nur einmal nennen, „Warum BMW?“, „Warum sollten wir uns für dich entscheiden?“ Wer Fotos oder anderes Anschauungsmaterial besitzt, mit dem man dreidimensionales Denken unter Beweis stellen kann, sollte das auf jeden Fall mitbringen.
Und wenn es mit der Ausbildung zum Technischen Modellbauer bei der BMW Group, der Bertrandt AG München oder EDAG Group nicht geklappt hat? Die oberfränkische Stadt Selb im Fichtelgebirge, nahe der tschechischen Grenze, steht für feinstes Porzellan, wie Rosenthal oder Hutschenreuther. Doch in den 90er Jahren folgten Produktionsverlagerungen in Niedriglohnländer, verknüpft mit einer ganz speziellen Form von „Werteverfall“. Vor dem Hintergrund der Strukturkrise bekam Selb von der Bayerischen Staatsregierung grünes Licht für die Errichtung einer Staatlichen Berufsfachschule für Produktdesign, die nach vier Jahren mit dem „Staatl. geprüften Produktdesigner“ abschließt. „Wir vermitteln eine Vielfalt an Ausbildungsinhalten vom Entwurf bis zur Serienreife eines Produkts“, sagt Schulleiter Dr. Bernhard Nitsche. „Jährlich werden vierzig Ausbildungsplätze angeboten. Im Technischen Modellbau haben wir in der Clay-Werkstatt und dem CAD-Labor 8-10 Plätze (3D-Zweig).“ Formal wird ein Mittlerer Schulabschluss oder der „Quali“ mit einem 1jährigen Praktikum verlangt. Die 120-130 Bewerber kommen aus ganz Deutschland. Und es finden Workshops, z.B. von BMW mit Christian Hühn und Patrick Schneider – Spezialisten im Bereich Formgestaltung bei BMW – statt. Oder von Olaf Riedel, Clay-Modelleur bei der Ford Motor Company. Werden die schulischen Absolventen aus Selb später von BMW ins Erwerbsleben übernommen? „BMW pflegt enge Kontakte zur Berufsfachschule in Selb“, sagt Florian Brandmaier. „Und die besten kommen später bei der BMW Group unter, wenn sie es unbedingt wollen.“